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Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums · 1862-01-01 · Heft 1 · page 62

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Journal
Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
Volume
1862
Issue
Heft 1
Date
1862-01-01
Page
– (sequence 62)
Language
German
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61 ließ (s. den 1. Abschnitt), nahm er den Wunderstab mit und pflanzte ihn in seinen Garten. Jetzt ließ Reuel bekannt machen, daß nur der, welcher im Stande sei, jenen Stab mit eigenen Händen ohne weitere Beihülfe dem Boden zu entreißen, seine Tochter Zipora zur Gattin erhalte. Die kräftigsten Heldensöhne der Midianiten rrnd Keniten strengten sich vergeblich an, niemand vermochte an dem Stäbe zu rütteln, so fest stand er im Boden gewurzelt. Und die fürstlichen Bewerber mußten allesammt mit Schimpf abziehen. Die schüchterne Zipora athmete nun wieder freier, sie faßte jetzt ein Herz, ihren strengen Vater an jenen Flüchtling zu mahnen, der auf sein Geheiß schon so viele Jahre im Kerker schmachtete. „Wie vermagst du zu denken, daß dieser noch lebt?" äußerte Reuel, „kann ein Mensch fast ohne Nahrung so lange erhalten bleiben?" „Doch wohl," erwiederte Zipora, die ihr Geheimniß, daß sie ihn mit Speisen versorgt, noch nicht verrathen wollte, „dem allmächtigen Gotte ist nichts unmöglich!" „Nun, so wollen wir sehen, was aus ihm geworden," versetzte Reuel und begab sich sogleich in Begleitung der Tochter in den Kerker, worin Moses geworfen worden war. Wie groß war jetzt Reuels Erstaunen, da er Moses in Lebensfülle zu seinem Gotte betend vor sich sah. Er befreite ihn augenblicklich, ließ ihn scheeren, die Kleider wechseln, reichte ihm Speisen und führte ihn in den Garten, damit er sich dort ergehe. Da Moses die freie Luft athmete fiel er zuerst nieder vor Gott uud hauchte ein inbrünstiges Dankgebet aus. Dann umherschauend nahm er jenen Stab wahr, worauf der göttliche Name sich befand, er eilte hin, rief den Namen Gottes aus, ergriff mit seinen Händen den Stab. und entriß ihn dem Boden, so leicht wie man ein dünnes Reis von einem Gesträuche abbricht. Reuel trat heran und — den Wunderstab in Mosis Händen erblickend rief er: „Wahrlich dieser Mann ist zu Großem beschieden, ich sehe jetzt, er wird einst der Befreier seines Volks sein! Dieser Erwählte Gottes soll meine Tochter besitzen!" Zipora's Herzenswunsch war nun erfüllt. Moses führte sie als Gattin heim und

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