Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1862
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3138070-3138075-3138076--0602-3138692- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
36 öffnete, war es, als wenn der Abglanz göttlicher Herrlichkeit ihr entgegen leuchtete. Den Säugling vom Kopfe bis zu den Füßen betrachtend, erfreute sie sich an seiner Größe und Schönheit. Doch fuhr ihr des strengen Vaters grausamer Befehls woran die Dienerinnen sie eben gemahnt, durch die Seele, schon war sie im Begriffe, das Kästchen wieder hinzusetzen und das Kind seinem Schicksale zu überlassen. Da begann den Knabe heftig zu weinen (der Engel Gabriel hatte ihm einen Schlag versetzt,, um durch sein Weinen das Mitleid der Prinzessin zu erregen), er schluchzte fort und fort, die ihn beobachtende Schwester in der Nähe gewahrend (oder der ihn unsichtbar geleitende Engel ahmte die weinende Kindesstimme nach), während der dreijährige Aaron unfern stand und in Thränen zerfloß. ' Der Fürstin Herz ward hierdurch Lief gerührt, Erbarmen mit dem Kinde, ja mütterliche Zärtlichkeit gegen dasselbe bemächtigte sich ihrer, als wäre es ihr eignes. Daß der Knabe hebräischen Stammes sein müsse (denn Pharao's tyrannische Maßregel, die neugeborenen Kinder männlichen Geschlechts zu tödten, erstreckte sich Zuletzt ja auch auf alle ägyptischen), ward zunächst daran erkannt, daß er beschnitten war. Fürwahr, rief Vithja aus, weichherzig und mitleidsvoll sind die Hebräer, nicht so leicht überlassen sie ihre Kinder dem Tode! Die Fürstentochter jedoch erwägend, daß bei ihres Vaters Gesinnungen gegen die Hebräer für den Knaben im königlichen Palaste Sicherheit nicht zu finden sein werde, ließ eine der am Flusse umherwandelnden ägyptischen Frauen herbeiholen, daß sie den Knaben säuge. Doch weder von dieser noch von anderen hinzugerufenen ägyptischen Ammen wollte der Kleine Nahrung annehmen (der Allmächtige hatte dies so gefügt, um den Säugling wieder seiner Mutter Brust zuzuführen, und daß kein ägyptisches Weib je sich rühme, der Auserkorene, mit dem Gott von Munde zu Munde sprach, habe an ihrem Busen gesogen.) Da mischte sich die Schwester des Maben, Mirjam, gleichsam als stünde sie zufällig dort, unter die am Ufer befindlichen ägyptischen Frauen und Bithja's Verlegenheit wahrnehmend, trat sie zu dieser hin, mit schüch-