Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1862
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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22 Fünf Jahre verflossen, — das israelitische Volk hatte sich inzwischen immer noch vermehrt — da träumte dem Pharao, als säße er auf seinem königlichen Thron, vor ihm ein alter Mann mit einer Wage in den Händen, die er im Begriffe war vor Pharao aufzuhängen. Als dieß geschehen, erfaßte der alte Mann die Fürsten, Vornehmen und Aeltesten Aegyptens, sowie dessen Bewohner allesammt, Männer, Weiber und Kinder, band sie aneinander und legte sie in die eine Wagschale, in die andere Schale that er weiter nichts als ein junges Milchschaf. Dennoch sank die letztere Schale. Pharao erstaunte über die wunderbare Erscheinung, daß das kleine Lamm, womit die eine Schale gefüllt war, schwerer wiege, als die sämmtlichen Bewohner des Landes, welche in der andern Schale sich befanden. Erwacht ließ Pharao sogleich alle Weisen, Zauberer und Wahrsager im Lande vor sich kommen, erzählte ihnen den Inhalt seines Traumes und wünschte dessen Deutung zu kennen. Da ergriff jener Bileam, Sohn Beors, der jetzt mit seinen Söhnen Janis und Jambres, am ägyptischen Hofe sich aufhielt, das Wort und sprach: „Wisse, o König, dieser Traum bedeutet ein großes Ungemach, daß.über Aegypten hereinbrechen wird. Unter den Hebräern wird ein Knabe geboren werden, der, wenn er erwachsen, das Land verwüsten, die Herrschaft der Aegypter schwächen, dagegen die Jsraeliten erheben und sie mit starker Hand aus dem Lande führen wird. Die Tugend jenes Knaben wird Alle übertreffen und sein Name in immerwährendem rühmlichen Andenken bleiben. Erwäge daher, mein Fürst, auf welche Weise diese dem Lande drohende Gefahr noch abzuwenden ist. Pharao erwiederte betroffen: „Was bleibt uns noch zu thun übrig? Was wir bis jetzt aussannen, um die Macht der Hebräer zu schwächen, verfehlte seinen Zweck. Gieb du jetzt an, wie wir ihnen beikommen!" „Der König möge," versetzte Bileam, „doch erst die Meinung der anderen Räthe vernehmen, dann wolle er auch die seinige vorbringen." Aufgefordert zum Sprechen, nahm jetzt Reuel der Midjanite (auch Jethro genannt), damals einer von den Räthen des ägytischen Königs, das Wort, also beginnend: „Lange lebe der König!