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Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums · 1862-01-01 · Heft 1 · page 21

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Journal
Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
Volume
1862
Issue
Heft 1
Date
1862-01-01
Page
– (sequence 21)
Language
German
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20 kes Munde erhielten jene Hebammen daher die Beinamen: Schifra (die Verschönernde, die Besänftigende) und Puah (die Zurufende, Besprengende). Als nun Beide vor dem Könige erschienen und dieser ihnen sein tyrannisches Begehren eröffnete, war es zuerst die jugendliche Mirjam, welche zornglühenden Antlitzes gen Pharao hintrat, in die Worte ausbrechend: „Wehe dem Manne, wenn Gott ihn einst strafen wird wegen solcher Unthat!" Stracks wollte der Wüthrich sie ergreifen und tödten lassen. Doch besänftigend fiel die Mutter ein: „O König, beachte nicht ihre Reden, sie ist ja noch ein unverständiges Kind!" Pharao nahm jetzt eine mildere Sprache an, hob hervor, daß die neugeborenen Töchter am Leben bleiben sollten, blos auf die Knaben sei es abgesehen, aber deren Tödtung möge heimlich geschehen, daß die Mütter es nicht gewahr würden. — Um die Hebammen seinen Plänen willfährig zu machen, suchte er sie auf diese Weise in sein Vertrauen zu ziehen. Er ließ den Jüngeren sogar Liebesanträge machen, die sie mit Entrüstung zurückwiesen. Jetzt drohete er sie allesammt nebst ihrer Habe dem Feuertode zu übergeben, wenn sie seine Anordnungen nicht vollführen würden. Doch nicht vermochten Pharao's gewaltige Drohungen den gottesfürchtigen Sinn wankend zu machen, der die Hebammen erfüllte. Also sprachen sie zu sich: „Unser Erzvater, der ftomme Abraham, begründete einst eine Stätte, die Vorüberziehenden zu speisen*), er fragte nicht nach Volk und Glauben, wo es galt, unstäten Wanderern das Leben zu fristen und wir — sollten die zarten Sprößlinge, die unserer Sorgfallt anvertraut, mit eigenen Händen tödten? Fern von^uns ein solches Beginnen!" Und nicht thaten sie daher, was der König von Aegypten ihnen befohlen. Anstatt die Kinder zu tödten, versorgten sie vielmehr solche mit Speise und Trank. Gebrach es den Wöchnerinnen an Mitteln, so eilten die Hebammen zu den wohlhabenden Frauen und forderten diese auf, ihre bedürftigen Schwestern mit genügender *) Vergl. Leben Abrahams S. 56.

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