Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1861
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1861-01-01
- Page
- – (sequence 216)
- Language
- German
- Belongs to
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198 Gefühlswelt des Menschen hervorgegangne, durch die Kritik der Vernunft hindurchgegangne, nun zum vollendeten Bewußtsein gekommene Princip des Seins (der Gottheit, der Natur, des Menschen) nach allen seinen Verhältnissen, Richtungen, Verzweigungen u. s. w. Aber wie wenigen Menschen gelingt es , die große Wahrheit, daß der menschliche Geist eben der lebendige (und darum nicht auseinandergefäserte) Complex der Empfindung, des Gefühls, der Vorstellung, des Urtheilens sei, nicht allein zu erkennen, sondern auch bei allen geistigen Operationen als Wächterin, Leiterin, Beherrscherin des Processes anzustellen.' Darum stehen die Verstandesklügler auf der einen Seite, die Empfindler auf der andern, und zerren an dem erhabnen Bilde der menschlichgeistigen Einheit! Darum hat die Philosophie die meisten Feinde unter den Menschen. Die übrigen Wissenschaften verachtet der Frömmler, die Philosophie schreit er als der Religion und dem wahren Heil des Menschengeschlechtes feindlich aus. Und wie wir es als Interesse der Menschheit ersehen, ist es nun nicht auch Interesse der Wissenschaft selbst, einen glänzenden Namen mehr den Händen ihrer Gegner zu entreißen, daß sie sich desselben nichts wie so vieler Anderer bedienen mögen, um ihren prunkhasten Jnvektiven den Schein der praktischen Wirklichkeit zu geben? Da also in der Wissenschaft seit dem freilich noch schwachen Versuche Herders (in seiner Schrift: Gott) so Vieles für Spinoza gethan worden, da es jetzt keinen Philosophen mehr giebt, der diesen Namen nicht mit Ehrfurcht, \a meist mit Liebe ausspräche, da er in der Geschichte der Philosophie gereinigt dasteht, als ein gewaltiger Träger der werdenden neuern Philosophie, seinem hohen Vor- und Nachgänger, D e skart und Leibnitz, mit Fug und Recht gleichgestellt: warum sollten wir nicht mit Muth und Vertrauen auf Nachsicht versuchen können, ihn auch dem größern deutschen Publikum in seiner wahrhaften Gestalt vorzustellen, so weit es seine strengphilosophische Natur gestattet?