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Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums · 1861-01-01 · Heft 1 · page 214

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Journal
Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
Volume
1861
Issue
Heft 1
Date
1861-01-01
Page
– (sequence 214)
Language
German
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196 von Mund zu Munde, und versteinert als ein allgemein gefaßtes, für immer erprobtes Urtheil. Doch in der Wissenschaft kann der Irrthum nicht das letzte Wort behalten: die Sage von einer unterdrücktem Partei erhält sich im Lause der Zeiten: in einer Hellern, bequemern erwacht das Streben, die Monumente der Früheren im reinen Lichte zu schauen: und der erstaunten Nachwelt eröffnet sich die verdeckte Hoheit und Tugend der Verlästerten. Eifrig arbeitet man nun am Verständniß, und mag es auch lange währen: die Wissenschaft räumt ihnen die Ehrenplätze dennoch endlich ein, die ihnen längst gebühren. Die Philosophie hat das Eigenthümliche, als das Gemeingut Aller in Anspruch genommen zu werden. (Diese Ansicht erschuf jene populäre Philosophie im vorigen Jahrhundert.) Und nicht mit Unrecht thut man dies, theils wenn sie nur für eine rationelle Entwicklung gemeingültiger Religions- und Moralprincipien angesehen wird, theils indem man die abstrakte Ausführung der Theorie einer jeden einzelnen Wissenschaft eine philosophische nennt — aber mit dem größten Unrecht, wenn man die Philosophie hiermit erschöpft glaubt,, da man doch erst einige Außen hallen, oder Frontespiecen gesehen. Die Philosophie als das höchste menschliche Bewußtsein des Ichs, der Natur und der Gottheit ist kein Gemeingut der Menschen, nicht einmal aller ihrer Jünger in dem Maaße, wie bei den übrigen Wissenschaften, sondern nur weniger, auserlesener Meister. Was daher im Innern dieses Heiligthums vor sich gehet, ob die Zeit und ein verändertes Streben die Reinigung früherer, verkannter, mißverstandener Heroen herbeigeführt, das dringt nicht hinaus in die größre Welt, in der sich nur jenes abschreckende Phantom immerfort weiterträgt in den alten, unförmlichen Umrissen. Und wie schlecht würde nun die Frage klingen: was liegt daran? da jener große Kreis doch nicht aus reinem Borne schöpfen kann und schöpft, was liegt daran, ob auch er er^

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