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Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums · 1861-01-01 · Heft 1 · page 111

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Journal
Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
Volume
1861
Issue
Heft 1
Date
1861-01-01
Page
– (sequence 111)
Language
German
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92 Nichtsdestoweniger lasteten auf dem vielbeschäftigten Geist des jungen Mannes schwere Nahrungssorgen, mit denen er sein Lebelang zu kämpfen hatte; denn trotz des Beifalls, welchen er durch seine Reden erntete, trotz seiner unverdrossenen Amtsthätigkeit und musterhaften Pflichttreue — er unterrichtete täglich fast acht Stunden^) —, war er von seiner reichen Gemeinde doch nicht so gestellt, daß er sich dem Studium und der Wissenschaft ungestört hätte hingeben können; sein Gehalt reichte kaum aus, ihn und die Seinigen anständig zu ernähren^). Es blieb daher dem armen Rabbiner nichts anderes übrig als seinen Sinn auf materiellen Gewinn zu richten: Menasse ver- 20) Menassen quotidie octo horas praelegendo in Schola Talmudi (Talmud Thora) tribuere debuisse, ex ipsius Menassis ad s& literis tradit. He inr. Iesse in der Vorrede zu ve Heerlikheid en heyl van Jehuda en Israel, bei Wolf, 1. e. IY, 901. 21) De Term. Vitae, 237: „Stipendia nostrae Synagogae non admodum sunt luculenta.“ Vgl. den Brief von Hugo G rot in 6 an Gerh. Vossius, vom 2. Februar 1640 (S. w. u.). — Schleiermacher äußert einmal in seinen Briefen (Aus Schl.'s Nachlaß, Berlin 1858), es wäre ein Fluch, der auf der Wissenschaft ruhe und zugleich ibr Glück, daß die meisten ihrer Jünger mittellos waren ‘'SM. miro; eine Wahrheit, die allenthalben und in allen Zeiten ihre Bestätigung fand. Torquato Tasso, der große Dichter des ,Gefreiten Jerusalem" befand sich in seinem sechsundzwanzigsten Jahre, nachdem schon acht Gesänge seines Epos beendigt waren, in solcher Noth, daß er bei einem gewissen Abraham Levi in Ferrara den Degen, welchen er ein Jahr früher von seinem Vater geerbt hatte, sechs Hemden, nebst vier Bett- und zwei Tischtüchern gegen die geringfügige Summe von fünfundzwanzig Livres versetzen mußte, wie folgendes Autograph besagt, welches ans der Sammlung eines H. Villenave vor etwa zehn Jahren (Fcb'uar 1850) in öffentlicher Auction versteigert wurde (Bulletin du Bibliophile Beige [Bruxelles 1850], VII, 114): „Josotto scritto dicbiaro d’auriceyuto dae signore Abram Levi centicimque live p. le quali retiene in pegno una spada del mio padre,: sei camilie, quatre sensogli, due lovaglie. A di 2 di Marzo 1570. Torq0. Tasso.

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