Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1861
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1861-01-01
- Page
- – (sequence 99)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3138070-3138077-3138078--0387-3138477- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
79 Abends ließ ich meine Frau herauf kommen, konnte mich aber noch nicht rühren, nicht Hand oder Fuß bewegen. Als das Bett gemacht werden sollte, mußten zehn Personen mich in einem Laken heraus heben und mich auf ein Ruhebett legen. — Sonntag srüh kam der alte Frede mit seinem Sohne und einigen Gesellen und Burschen, auch Dr. Ebel, und verbanden uns, und ward Arzenei verschrieben. — Montag Mittag kam wieder Befehl, Niemanden zu uns zu lassen, außer den Doktor und die Barbirer und auch die Köchin. Da es aber nicht möglich war, sich so zu behelfen, weil stets jeder von uns 2 — 3 Personen haben mußte und beim Aufstehen aus dem Bette mindestens 8 erforderlich waren, so kam um 3 Uhr ein Befehl, das Dienstpersonal auf 14 für uns Beide zu beschränken. Dies hatte einer von Fredens Gesellen bewirkt, indem er die Gefahr vorgestellt und die Unmöglichkeit, die Leidenden ohne Hülfe zu verbinden. Er kam alle Tage zweimal, um den Verband zu erneuen. Der Brand zwischen den Schultern war so gefährlich, daß man Spannen lang aufschneiden wollte. Der Staats - Chirurg Körber, welcher öfters zugegen war, wollte es auch haben; es kam aber nicht dazu, weil ich es verweigerte, wie ich schon am Sabbath, da mir die Feldscherer den rechten Fuß abnehmen wollten, es nicht zugab und mich kräftig dagegen aussprach. — Am Dinstag begaben sich die Frauen auf die Kanzelei und setzten es bei Herrn Bernstorf durch, daß sie den Tag bei uns zubringen durften. Am Mittwoch war ich vom Fieber so krank, daß Frede mich den Tag nicht verband, sondern nur alle zwei Stunden besuchte. In der Nacht endlich ließ er mir bei Licht zur Ader, worauf mir etwas besser wurde. Doch lag ich fünf Wochen so krank, daß ich vor Schwäche nicht beten, noch einen Segen sprechen konnte. Erst am 5. Thammus betete ich zum ersten Male wieder. Man wusch mich morgens mit warmem Wein und Wasser, aber den ganzen Tag nicht wieder. Man mußte mit mir umgehen, wie mit einem Kind von