Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1861
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1861-01-01
- Page
- – (sequence 93)
- Language
- German
- Belongs to
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73 er so etwas annähme; doch hob er es wieder auf, las es und legte es vor sich hin. Daraus fragten sie mich, ob ich keinen gütlichen Vergleich vorzuschlagen wüßte, womit die Gläubiger zufrieden zu stellen wären. Ich bejahete es und es ward protokollirt. Unterdessen ward der Scharfrichter, den man eigens aus Osterode hatte verschreiben lassen, hereingerufen. Dann sprach Herr von Bernstorf zu mir: „Ich will dir einen Andern vorstellen, dem wirst du wohl besser die Wahrheit sagen, als mir." Und wie der Henker eintrat, sagte er zu ihm: „Meister, hier ist Einer, der will uns die Wahrheit nicht sagen, ihr sollt sie besser herausbringen können." Darauf begann der Henker mit furchtbarer Stimme zu schreien, wobei er mir mehrere Male gegen den Kopf schlug und die Seitenlocken — weiter hatte ich kein Haar aus dem Kopfe — ausriß, kurz, er sprang gar grausam mit mir um, so daß ich endlich rief: ob das der gütliche Vergleich sei? Man ließ mich mit dem Henker abtreten und vor der Thür warten, wo der Henker wiederum grausam mit mir lärmte und mir mit Schlägen drohete, während er den Stock aufhob, daß ich meinte, er werde mir den Kops zerschlagen. Kurz darauf kam Befehl, mich wieder in meine Kammer zu bringen, und man ließ Gumpel holen, der ebenfalls examinirt wurde,, und den man dem Henker vorstellte, welcher mit ihm wie mit mir umsprang. Unterdeß hielt ich das Abendgebet, — das Nachmittagsgebet hatte ich schon verrichtet — ich legte aber diesmal so viele Sündenbekenntnisse als möglich ein und machte mich fertig, gleich Einem, der zum Tode geht. Gegen 5 Uhr kam der Henker und sagte, man solle mich hinunter in den Keller bringen. Der Sergeant trat hinein zu den Herren und fragte an. Sie erklärten, es solle geschehen. Der Adjutant Vogt ging mit hinunter. Sobald ich im Keller war, ruft der Henker: herunter mit den Kleidern. Ich zog meinen Schlafrock und die Kantusche aus, — das war Alles, was ich um hatte. Der Henker rief: „die Zehn gebot thu'