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Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums · 1861-01-01 · Heft 1 · page 6

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Journal
Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
Volume
1861
Issue
Heft 1
Date
1861-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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VIII zu beherrschen suchen und uns ohne Redeprunk und Wortgepränge das Leben desjenigen zu vergegenwärtigen suchen, der sich selbst eingezeichnet hat in das Buch des Lebens. Jsaac Marcus Jost, den 22. Februar 1793 zu Bernburg in Anhalt geboren, war nicht nur, wie so viele Jünger der Wissenschaft, ein Kind armer Eltern, sondern auch das Kind eines blinden Vaters. War es Dorherbestimmung, daß grade der kleine Marcus unter eilf Geschwistern Derjenige war, welcher den Führer des blinden Vaters machte? Sollte das Kind es vorahnend empfinden, daß es berufen sei ein Führer zu werden durch dunkle, unbekannte, unwegsame Gebiete? — Von dem ersten Denken und Sein eines armen, jüdischen Kindes aus jener Zeit ist uns nur wenig und doch fast Alles zugleich bekannt. Es verliert fich mit seinem individuellen Leben ebenso sehr in die allgemeine Misere der Familie und des Volkes, wie in die kleinen, stillen Freuden, welche Familie und Religion gewähren, so daß das Leben unseres Jost in dieser Rücksicht wohl nichts Besonderes bietet. Zu Ende des vorigen und zu Anfange des gegenwärtigen Jahrhunderts ward das jüdische Kind auf Schritt und Tritt daran erinnert, daß es ein Zudenkind sei: es ward dadurch eher seines Judenthums, als seiner Kindheit fich bewußt; trat zu diesem Bewußtsein noch das der Armuth hinzu: so haben wir ein ziemlich treues Bild von der Kindheit unseres Jost, die er mit gar Vielen theilte. Aber so wenig tausendjähriger Druck und fich immer erneuernder Hohn jene Elastizität des Geistes und jenen Adel der Gesinnung aus Israel zu vernichten vermochte, welche/ allen traurigen äußern Einflüßen gegenüber die Religion allein immer neu belebte: so wenig vermochten die noch so ungünstigen Verhältnisse die seltenen geistigen und sittlichen Anlagen unseres Jost zu vernichten. Mit wunderbarer Kraft rüstet die Vorsehung ihre Auser-

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