Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1860
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 126 (sequence 128)
- Language
- German
- Belongs to
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126 Eine Jmmediatvorstellung von Kreistagsmitgliedern zu Dramburg an den Prinz-Regenten bat zwar um Aufhebung dieser Verfügung, ward jedoch einfach an den Minister Flottwell zum weitem Bescheide abgegeben, welcher dahin lautete, daß zu einer Aufhebung jener Verfügung kein Anlaß fei. Ebenso blieben mehrere Proteste von Kreistagen unbeachtet oder riefen vielmehr eine offizielle Rüge der höchsten Behörde hervor. Zwar nahm noch in der Folge die Majorität des Herrenhauses den Antrag seiner Commission an, welcher dahin lautete: die eingegangenen Petitionen gegen die Aufnahme von Juden in die ritterliche Standschaft „der Königl. Staatsregierung mit dem Antrage auf Abhülfe zu überweisen," allein auch dieser Beschluß konnte nach den Erklärungen des Ministeriums nur ohne Weiteres ad acta gelegt werden. Was die Ernennung einzelner jüdischer Männer zu Professoren an der Universität, zu Rechtsanwälten und zu Hilfslehrern an Gymnasien betrifft, welche in neuester Zeit stattgefunden hat, so berichten wir dieselbe mit Genugthuung, da es uns jedoch nur auf das Princip ankommt, so sehen wir von einer Namhastmachung der betreffenden Persönlichkeiten ab. Durch die angeführten Thatsachen und maßgebenden Urtheile wird hoffentlich die im Eingänge ausgestellte Behauptung als erwiesen zu betrachten sein, daß es mit einer befriedigenden Lösung der Judensrage in Preußen zwar nicht so schnell geht als wir es wohl gewünscht hätten, daß aber auch zu Befürchtungen vor wesentlich rückgängiger Bewegung kein Grund gesunden werden kann. Wenn in den schlimmsten Tagen des jüngsten Zeitabschnitts die wohlvorbereiteten, klug berechneten und kräftig unterstützten Angriffe auf die Grundlage unserer Rechte mit Entschiedenheit abgeschlagen wurden, so dürfen wir bei der günstigen Wendung, welche unsre vaterländischen Verhältnisse nunmehr genommen haben und insbesondere seit der Leitung des Ministeriums des Innern durch den Grafen Schwerin, auf eine sichere und haltbare wenn auch langsam und mäßig fortschreitende Erfüllung unsrer religiösgemeindlichen Aussichten rechnen. Freuen wir uns zunächst mit der gebildeten Gesammtheit des preußischen Volkes dieser Rückkehr zum allgemeinen Bessern, unterstützen und fördern wir es nach Kräften — der Segen des besond ern Gutes, nach welchem wir ringen, wird dann auch nicht ausbleiben.