Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1860
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 93 (sequence 97)
- Language
- German
- Belongs to
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94 welcher „sie das Gesetz lehrten und jüdische Ceremonien übten," wurde entdeckt und, nachdem der Scheiterhaufen erloschen war, von Grund aus zerstört. Am 23. April wurden 52 und sieben Tage später 62 Persosonen in den Kerker abgeführt, um nie mehr das Sonnenlicht zu erblicken, und am 3. Mai erschienen wieder 46 Judaisirende, von denen Einige kaum 13, Andere nicht über 17 Jahr alt waren. Auch ihr Urtheil lautete, in den Kerkern den Tod zu erwarten. Das fünfte Auto-da-Fe wurde am 28. Mai mit 13 Personen abgehalten. Man wies ihnen nach, daß sie als Juden gelebt, den Sabbath gefeiert und jüdische Gebräuche befolgt Hätten. Die Inquisition begnügte sich, ihr Vermögen einzuziehen. In Folge dieser unausgesetzten Erpressungen waren die Chuetas arm und ruinirt, und es blieb den Duldern für ihren Glauben nichts anders übrig, als die „goldene Insel", seit Jahrhunderten ihre Heimath, zu verlassen, um in der Ferne sich ein neues Vaterland zu suchen. Sie mietheten zu diesem Zwecke 1687 ein englisches Schiff, trauten ihm ihre Habe und ihr Leben an und gingen unter Segel. O Jammer! Der ungünstige Wind nöthigte sie in den Hafen von Palma wieder einzulaufen. Die Väter des heiligen Tribunals hatten Alles erfahren und säumten nicht, ihnen den Prozeß zu machen. Erst nach fünfjähriger Hast wurde ihnen ihr Urtheil verkündet; am 7. März 1691 mußten ihrer vierundzwanzig bei einem Auto-da-Fe erscheinen — ihr Vermögen wurde confiscirt. Kaum sollte man es glauben! Es hatte sich seit der letzten Confiscation von 1679, also in dem geringen Zeitraume von zwölf Jahren dermaßen gemehrt, daß sie für die reichsten Bewohner der Stadt galten und die schönsten Häuser die ihren nannten. Die Inquisition allein nahm ihnen die enorme Summe von ein und einer halben Million Thalern ab; einen Theil dieses Schatzes behielt sie für sich, ein anderer floß dem Könige