Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1860
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 89 (sequence 93)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3138070-3138071-3138072--0095-3138185- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
90 groß gezogen und erhalten, hat während seines achtzehnhundertjährigen Weilens in der Verbannung unzählige Belege für diese Wahrheit geliefert. Neue Proben von der jüdischen Hartnäckigkeit bieten uns die Juden Mallorca's, von denen wir uns so eben mit Bedauern und Verachtung abgewandt haben. Sie hatten aufgehört, Juden zu sein und bekannten sich äußerlich zum Katholicismus: sie besuchten die Kirchen, tauften ihre Kinder, lebten den Anforderungen der Staatsreligion gemäß, sobald sie wußten, daß sie überwacht wurden; die Meisten, wenn nicht Alle, waren den Grundwahrheiten des Judenthums treu geblieben und hatten die vornehmsten Gesetze der Stammreligion, welche mit ihrem ganzen Sein und Wesen, Denken und Sinnen eng verwebt und verwachsen waren, im Verborgenen nicht selten mit der größten Gewissenhaftigkeit befolgt. Daß sie heimlich als Juden lebten, war auf der Insel allgemein bekannt, und so wurde auch in diesem Theile der spanischen Monarchie das Tribunal eingeführt, welches hier wie dort zum Ruhme der Kirche und zum Jammer der Menschheit unzählige Feste veranstaltete. Die Inquisition nimmt auch in der Geschichte der Juden Mallorca's eine nicht unbedeutende Stelle ein. Verging doch bis gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts kaum ein Jahr, in welchem unsere armen Brüder nicht mit den Höllenmeistern zu schaffen gehabt hätten. Gegen fünfzig Jahre waren seit dem Tage der Zwangstaufe verflossen, als die Inquisitoren ihren feierlichen Einzug in Mallorca's Hauptstadt hielten. Ihr Beginnen unterschied sich sehr von ihrer später^ fluchwürdigen Thätigkeit. 1488 verhießen sie durch ein Decret allgemeine Amnestie allen Juden, welche heimlich ihrer Religion nachhingen, wenn sie ihre Ketzerei und ihren Abfall von der Kirche offen bekennen möchten. In Folge dieses Erlasses erklärten 260 Personen ihre jüdische Abstammung. Die Kirche