Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1860
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 87 (sequence 91)
- Language
- German
- Belongs to
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88 Die Verurth eilten wurden alsbald den Beichtvatern übergeben, damit diese für ihr Seelenheil beteten. Sie beteten, wie der Chronist versichert, mit solcher Gluth, daß sie die Freude hatten, die vier jüdischen Dulder in den Schooß der Kirche eintreten zu sehen. Astrue Sibili und seine Leidensgefährten nahmen die Taufe und die Namen ihrer Pathen an; Sibili nannte sich nunmehr Gil Callar^). Mit Blitzesschnelle verbreitete sich die Nachricht unter den Juden Palma's, daß Astrue Sibili, ein Vielen von ihnen als Musterbild dienender Mann, die Taufe empfangen habe. Sie ahmten seinem Beispiele nach; sie, denen Leben und Genußsucht Alles und die uralte Religion ihrer Vater Nichts mehr war, zogen in Prozession nach der Jglesia Mayor und baten fußfällig um Aufnahme ins Christenthum. Ueber 200 wurden an zwei Tagen mit Taufwasser besprengt; auch alle Eingekerkerten wurden getauft. Welche Wonne für die hohe Geistlichkeit! Alle Vorbereitungen zur Hinrichtung waren getroffen. Astrue Sibili und seine drei Genossen standen bereits auf der Richtstätte. Da erwachte auch in dem Herzen der wilden, stumpfsinnigen Mallorcaner ein Mitgeftihl für die neugewonnenen Vrüder und sie selbst baten jetzt eben so flehentlich um Gnade, wie sie früher ihre Bestrafung ungestüm gefordert hatten'. Es war ein schaudererregender Anblick. Die eben bekehrten Jüdinnen stürzten sich mit ihren kleinen Kindern auf den Armen zu den Füßen des unbeugsamen Gouverneurs, und jammerten unter Schluchzen um Erhaltung der Ihrigen; adlige Damen stimmten in ihre Klagen und Bitten mit ein; hier schrie das Volk unaufhörlich: Gnade! Gnade! dort versuchte man mit aller Kraft, sie den Händen der Häscher zu entreißen. Die Hinrichtung wurde bis auf den folgenden Tag verschoben. 42) Namentlich werden noch aufgeführt Mut, l. e. 304) Farrich (Forach), ein unter den spanischen Juden häufig vorkommender Familienname, der mit dem Namen des Bischofs, Gil Mrmoz, belegt wurde, und Stellatar.