Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1860
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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34 Hofe und die auf der Straße, welche das Wehklagen der Brüder in der Synagoge vernahmen, fingen ebenfalls an zu schreien, indem sie etwas Schauderhaftes erwarteten. Die Lust ward von Klaggeschrei erfüllt. Es war grauenvoll zu sehen, wie eine ganze Bevölkerung schluchzte und weinte. Es schien, als ob die stummen Wände der Häuser in Thränen hätten zerfließen mögen. Allein dies war erst der Anfang. Es war befohlen Jeden zu ergreifen, wer nur irgend aussah wie geeignet zum Dienst für einige Jahre. Die Männer liefen fort nach allen Richtungen, wie eine aufgescheuchte Heerde. Die Soldaten liefen ihnen nach; Schrecken malte sich auf allen Gesichtern. Alles verlies sich, jeder wohin er konnte; sie versteckten sich in Polter- und Bodenkammern; die Kaufläden waren geschlossen, die Arbeiten wurden verlassen, die Bestürzung war unbeschreiblich. Aber die Zahl der aus der Straße ergriffenen Rekruten erreichte bei weitem noch nicht die geforderte Ziffer. Man richtete es so ein, daß man bis zum Abend die Bestürzung ein wenig ausruhen ließ; aber in der Nacht brach man in die Häuser ein und riß die Männer aus den Betten. Da mochte man schreien: Ich bin alt, — ich bin allein und kann auf der Liste nicht stehen, — oder ich habe schon einen Bruder, einen Sohn im Dienst! — oder ich gehöre zur Kaufmannsgilde und erhalte bald meine Bestätigung, oder sonst etwas anderes, sie achteten auf alles das nicht, — Ketten und der Ruf Lob! Lob! Lob! *) waren Sache eines Augenblickes. *) Sobald ein Rekrut besichtigt und tauglich befunden worden, wird ihm das Haupthaar von der Stirne bis zum Scheitel rasirt. Der Vorsitzende der Commission. ruft I^o b (Stirn) aus und die übrigen Beamten wiederholen diesen Schreckensrus, worauf der nackte Rekrut aus dem Besichtigungszimmer durch alle Gemächer geführt wird, bis in's Vorzimmer, wo der Barbier das Geschäft vollzieht. Es ist leicht zu begreifen, welch' einen Eindruck jener Ruf bei dem Rekruten hervorbringt. D. Uebers.