Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1860
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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31 Strafrekrulen uns wieder neue Strafe, nämlich 2 auf Jeden, entstehe und so im schrecklichen Verhältniß steigend, bis der ganze Ort sich in ein furchtbares Rekrutenlager verwandelte. Bezweifeln konnten wir diese Wirkung nicht, denn daß die neue Verfügung nicht ausgeführt würde, war keine Hoffnung vorhanden. Was damals bei uns vorging, vermag ich nicht zu beschreiben. Eilboten ritten nach dem Gubernium; Gelder wurden verschüttet wie unnützer Staub; wir fleheten um Erbarmen, um Aufschub. Wiederum gingen Vorstellungen an die Behörde. Dabei blieben wir nicht unthätig; wir begannen zu fangen, wen wir vermochten; wem es nicht möglich war für sich einen zu stellen, der wurde bei uns Rekrut; Kinder von 8 Jahren nahm man als Rekruten; man band sie paarweise zusammen und führte sie ab. Wir waren taub gegen Klagen und Geschrei. O, es war eine entsetzliche Zeit, der gütige Gott habe Erbarmen mit denen, welche über uns solchen Fluch gebracht hatten! Aber ich begreife doch diese Verzweiflung nicht, bemerkte ich. — Das Vaterland braucht Soldaten, sich dem Dienste zu entziehen, ist sündhaft, wenn der Zar befiehlt. Ohne Zweifel sündhaft, entgegnete der Alte: des Zars Wille ist Gottes Wille. Dem Vaterlande sind wir verpflichtet unser Leben hinzuopsern, wenn es dasselbe fordert. Wer bestreitet das? Wir aber sind noch gar nicht an Kriegesdienst gewöhnt. Zu dem wird auch im Dienste ein Unterschied gemacht! Wäre einige Hoffnung auf Belohnung dabei, so wäre es anders; aber der Ebräer kann hier zu nichts gelangen. Bedenket auch das Benehmen der unwissenden Gefährten; gegen wen können diese ihren Aerger oder Unmuth eher auslassen als gegen den verfluchten Juden? wem können sie mir nichts dir nichts Fußtritte geben, als dem Juden? wem ein Stück Schinken in's Maul stecken, als ihm? Ich will gar nicht davon reden, daß die Hauptleute sie mit andern Augen ansehen, da man weiß.