Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1860
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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22 Wie so außer der Reihenfolge? Durch welchen Zufall denn? Ich bin als Strafsoldat eingereiht, wie Viele von uns, — ich bin ein Strafnoi. Was heißt das? Das bedeutet — doch nein, ich bitte euch, nicht heute, ich bin heute ganz verstört. Diesen Morgen haben fie mich unter den Stock bringen wollen , weil ich meinen Getreidesack nicht fortbringen konnte; ich fiel mit dem Sack, er riß und kaiserliches Mehl ward verschüttet,.... Wollt Ihr morgen herkommen? Ihr sollt meine ganze Geschichte wissen, aber heute kann ich nicht, glaubt mirs. Ich versprach den andern Abend wieder zu kommen, nahm Abschied von meinem neuen Bekannten und begab mich nach meiner Wohnung. 2. Den ganzen folgenden Tag kam mir der Strafnoi nicht aus dem Sinn. Kaum konnte ich den Abend erwarten, und begab mich dann zu ihm. Diesmal nahm er mich viel freundlicher auf, und es war sogar deutlich, daß mein Besuch ihm willkommen erschien. Wisset, daß ich mit Ungeduld euch erwartete, sprach er zu mir. Seit jener Zeit, da das Unglück über mich hereinbrach, sah ich kein freundliches Gesicht, das mir Theilnahme bewiesen hätte, und vor welchem ich meinen Kummer ausschütten konnte. Nur mein Weib und meine Tochter durste ich einmal sehen;— aber wie sehen? Allmächtiger Gott! Keinem wünsche ich die Seinigen in solchem Zustande zu erblicken! Wann sahet Ihr sie? fragte ich. In dem Augenblicke, als man mir den Soldatenmantel umwarf, erwiderte er; eine Stunde, bevor man mich auf einen weiten Weg fortschickte. Doch das ist schon das Ende der Geschichte, und Ihr >D»sset noch nicht den Anfang. Vernehmet.