Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1860
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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14 stände zogen meine Aufmerksamkeit an, und ich vergaß ihn bald den ganzen Tag bis zum folgenden Morgen. Aber wie groß war mein Erstaunen, als ich, nicht sehr lange nach meiner Ankunft in der Stadt Z., da ich einst beim .Militär-Departement Geschäfte hatte, meinen traurigen Unbekannten in Soldatenmantel und Furagiermütze unter einem Trupp anderer Soldaten im Kron-Proviant-Magazin arbeiten sah. Ich ging näher an ihn heran und betrachtete ihn, und glaubte mich geirrt zu haben, weil er in Mantel und Mütze viel jünger und kräftiger erschien. Durch irgend etwas abgezogen, vergaß ich bald der auffallenden Aehnlichkeit und ich überredete mich noch um so eher, daß es bloß ein Zufall sei, als am andern Morgen mein Unbekannter wieder am Fenster sich befand, wo er vertieft, matt, unbeweglich an seinem bestimmten Platze faß. Allein an demselben Abend auf dem Marktplatze wandelnd, sah ich wiederum den Soldaten, welcher gestern im Proviant-Magazin gearbeitet hatte und im ersten Augenblicke fiel mir seine Aehnlichkeit mit meinem Unbekannten wieder aus. Ich beschloß ihm zu folgen. Er ging ohne anzuhalten durch mehrere Straßen, mit gesenktem Haupte und sich nicht einmal umsehend; ich verlor ihn von fern nicht aus dem Auge, und endlich, nach mehreren Umwendungen aus einer Straße in die andere, als es schon dunkelte und die Lichter durch die Fenster leuchteten, sah ich, daß er in die Hinterthür des kleinen Eckhäuschens eintrat, das mir von meinen Morgenspaziergängen schon bekannt war. Also mein Unbekannter, dachte ich, ist Soldat. Mir waren die häufigen und verstärkten Aushebungen bei uns, welche in jedem Oertchen, wo Ebräer wohnten, unendlich viele Mißbräuche erzeugten und traurige Folgen für sehr viele Familien hatten, bekannt. Ich wußte, daß Gewalt, List, Geld die Oberhand über die Armuth behielten, welche nur mit ihrer Handarbeit abbezahlen konnte, die ihr entzogen wurde,