Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921-1921)
- Issue
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 172 (sequence 186)
- Language
- German
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172 Gehirntätigkeit übrig. Man hat, als man den durch die Anomalie der Berufsumschichtung verstärkten körperlichen Verfall der Juden erkannte, versucht, ihm entgegenzuwirken. Man hat Vereine gegründet, welche die Juden zu Landwirtschaft und Gewerbe zurückführen sollten. Alle diese Versuche sind, von geringen Erfolgen abgesehen, gescheitert. In den Golusländern war eben der Grund und Boden schon vergeben, und das Handwerk war im Zeitalter der Industrie ein sinkender Stand, zu dem überzugehen die wenigsten Juden Lust verspürten. In Palästina jedoch, auf eigenem Grund und Boden wird es gelingen. Wie aber sollen die Massen des Golus ihre körperliche Wiedergeburt erleben? Hier setzt die jüdische Turnbewegung ein. Sie allein kann im Golus zu einer Volksregeneration führen, weil sie alle Teile und Schichten des jüdischen Volkes, Ost- und Westjuden, Männer und Frauen, Jugendliche und Erwachsene umfasst. Und sie wird diese Aufgabe lösen. Durch systematische Pflege des Körpers neben der des Geistes werden wir die Menschen schaffen, deren wir bedürfen: Menschen, die stark sind an Körper und Geist, harmonisch entwickelte Persönlichkeiten, volle und ganze Menschen und Juden. Noch deutlicher spricht zu uns Juden die jüdische Zeitgeschichte. Der Tag von San Remo hat unser Volk vor neue, gewaltige Aufgaben gestellt. Wir werden sie nur lösen können, wenn wir über körperliche Kräfte verfügen. Der Arm des jüdischen Bauern muss die Pflugschar führen, die ganze breite Masse des Volkes soll gesund und kräftig sein, dass sie die tragfeste Grundlage des neuen Gemeinwesens bildet. Wir müssen die Jugend dazu körperlich vorbereiten. Uns bedeutet Turnen und Sport nicht bloss körperliche Ertüchtigung als Gegengewicht zur Tätigkeit des Geistes, uns bedeutet es eine Umwandlung, eine Erneue-