Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921-1921)
- Issue
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 185)
- Language
- German
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Die jüdische Turnbewegung. Obwohl die jüdische Turnbewegung leider nicht überall die nötige Beachtung findet, bildet sie einen wichtigen Zweig der neuen jüdischen Jugendbewegung. Als das jüdische Volk seine staatliche Selbständigkeit einbiisste und unter die Völker zerstreut wurde, verlor es die materiellen Grundlagen seines Daseins, und was im Zusammenhang damit stand, trat zurück. Die Liebe zum Körperlichen schwand, während das Geistige einen überragenden Platz einnahm. Das Gesetz wurde das „tragbare Vaterland“ und das Studium dieses Gesetzes füllte die Tage und die Nächte des Juden aus. Es soll hier nicht das Gute, das diese Entwicklung mit sich brachte, verkannt werden: jene starke Geistigkeit und die Höherbewertung alles Geistigen und Sittlichen vor dem Körperlichen und Materiellen. Aber unsere Körper nahmen Schaden. Hiezu kam ein äusserer Vorgang, aus dieser Zeit: die Konzentration der Juden in den Ghettis. Das Ghetto hat uns von Luft und Licht abgesperrt und den Körper noch mehr verkümmern lassen. Die vielen Verfolgungen, denen unsere Väter ausgesetzt waren, und die in ihr Leben eine dauernde Unsicherheit brachten, trugen das Ihrige dazu bei. Und als die Ghettomauern fielen, wirkte ein neuer Faktor in derselben Richtung: die Anomalie der Berufsumschichtung. Die Juden fanden, als sie in das Wirtschaftsleben der Völker traten, die Berufe, in denen sie eine körperliche Tätigkeit hätten entfalten können, nicht mehr frei. Es blieben ihnen nur solche mit