Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921-1921)
- Issue
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 164 (sequence 178)
- Language
- German
- Belongs to
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164 ersten volkstümlichen in hebräischer Sprache geschriebenen Geschichtswerkes, dessen glückliche Vollendung wir dem greisen, verehrten Forscher und dem jüdischen Volke wünschen, kann nicht hoch genug veranschlagt werden. Auch S. Dubnow, der in russischer Sprache seine „Jüdische Geschichte“ schreibt, die jüngst ins Deutsche übersetzt im jüdischen Verlag in Berlin erschienen ist, darf würdig an die Seite der grossen jüdischen Geschichtsforscher unserer Zeit gestellt werden. Die Arbeit all dieser Historiographen, welcher Richtung sie auch angehören mögen, gilt nicht den Fremden, sondern den Eigenen. Keine Apologetik mehr, sondern nationale Geistesleistungen! Die Anfänge moderner jüdischer Geschichtsschreibung in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts gingen somit, wrie wTir gesehen haben, hauptsächlich auf das Abringen der Anerkennung der nichtjüdischen Welt für die Geistes- und Kulturwerte des jüdischen Volkes aus; sie war eine Art „Geschichtsapologetik“. Die späteren jüdischen Historiker sind schon dieser nutzlosen, mühevollen Sysiphusarbeit überdrüssig. Sie treiben keine Apologetik mehr. Nicht die Anerkennung der jüdischen Geschichte seitens der Nichtjuden hält sich die spätere jüdische Historiographie als Ziel vor Augen. Es gilt jetzt mehr und mehr, durch die jüdische Geschichtsschreibung einem positiv-nationalen Volksbedürfnis zu entsprechen. Jüdische Geschichte soll in der Sprache des jüdischen Volkes und für das jüdische Volk geschrieben werden! Welche von diesen beiden, sich gegenüberstehenden Geschichtsschreibungstendenzen im Rechte sei, entscheidet