Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921-1921)
- Issue
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 155 (sequence 167)
- Language
- German
- Belongs to
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155 in seinen Anschauungen nicht beachtet wird? Achad Haam hat viele Wahrheiten über die Ethik des Judentums ausgesprochen. Was hat dies aber in der bisherigen jüdischen nationalen Bewegung gefruchtet? Die Zeit aber ging ihren Weg. Die Thorakultur, von welcher Pines und Jawitz gesprochen haben, fand in den letzten Jahrzehnten, insbesondere in den Kriegsjahren einen viel kräftigeren, tieferen und weitgehenderen Vertreter in der Person von Rabbi Abraham JizchakKook, dem Oberrabbiner von Erez Jisroel, welcher, von jeher in religiösen Kreisen als Gaon und Zadik bekannt, der tiefgründige jüdische Philosoph ist. R. Kook strebt nicht danach, eine spezielle Organisation zu schaffen, sondern er will in alle jüdischen Organisationen, richtiger gesagt: in alle jüdischen Bewegungen und in die jüdischen Massen, den grossen Geist der jüdischen Geschichte einführen, den Heiligkeitsgeist aller jüdischen Generationen, der grossen jüdischen Vergangenheit und der lichtvollen nahen und fernen jüdischen Zukunft, welche R. Kook in der jetzigen augenscheinlich so finsteren und so niedrigen Gegenwart entdeckt. Damit will er in alle jüdischen Organisationen das hineintragen, was ihnen fehlt: die göttliche Lebendigkeit und damit die grosse Hoffnung, die grosse innerliche Kraft. R. Kook anerkennt gleichzeitig den allgemeinen Zionismus, sowie den Misrachi und die Aguda: den Zionismus mit seinem grossen politischen Werke, den Misrachi mit seinen Verdiensten in der Wahrung der Tradition innerhalb der zionistischen Organisation, die Aguda mit ihren Bemühungen um die Organisierung des frommen Judentums und die Stärkung der Thora. Alle diese Bewegungen müssen aber mit dem klaren Bewusstsein von dem ungeheuren Wert der jetzigen Zeit erfüllt werden, als der Zeit des Anfangs der Erlösung und der „Messiasleiden“. —