Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921-1921)
- Issue
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 150 (sequence 162)
- Language
- German
- Belongs to
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150 larität, die seine beiden Vorläufer auf diesem Gebiete, Sulzer in Wien und Naumburg in Paris, erlangt hatten, gilt Lewandowski heute als die Stimmgabel im Tonreiche der jüdischen Musik; denn Lewandowskis Vertonung ist zugleich Übersetzung des Textes. Wer einmal am Freitagabend den Eröffnungspsalm: „L’cho nerananu“, „Gehet, lasset uns Gott jubeln“ nach Lewandowski von Cantor und Gemeinde im Wechselgesang Vers um Vers hat singen hören, kann es gar nicht mehr begreifen, dass es noch Gemeinden gibt, die diesen herrlichen Weckgruss wie eine Litanei in melancholischem Tone herunterleiern. Sein „Weschomru w’nei Jisroel ess haschabbos“ ist eine ergreifende Mahnung. Wenn wir seinen Sabbatpsalm vom Chore vernehmen, so glauben wir bei den Worten: „Ale ossaur, ale Nowel, ale higojaun bechinaur“ wirklich die Davids-Harfe tönen zu hören. Wenn sein „Ss’u scheorim roschechem w’jowau melech hakowaud“ von der ganzen Gemeinde angestimmt wird, dann weitet sich die Synagoge, der begrenzte Raum verbindet sich mit dem Unendlichen und wer nur fühlen kann, fühlt die Majestät Gottes. — Dies sind nur einige wenige Beispiele aus der Fülle des reichen Schatzes von Lewandowskis Hinterlassenschaft. Am 3. Februar 1894 ist der grosse Meister des synagogalen Gesanges, nachdem er sich schon zu Lebzeiten durch sein Werk unsterblich gemacht, eingegangen zu seinen Vätern. Sein Geist aber lebt in unserer Mitte und wirkt fort zur Ehre Gottes und zur Veredelung des jüdischen Gottesdienstes. Bern. Josef Messinger.