Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921-1921)
- Issue
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 118 (sequence 126)
- Language
- German
- Belongs to
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118 Deuteronom, Kap. 4, V. 6, wo die Bezeichnung Vernunft für die Thora deklariert wird, lernen wir auch in dem Zusammenhang der darauf folgenden Sätze V. 7 und V. 8 den Zusammenhang dieser Thora-Vernunft mit der Gottesnähe kennen. „Denn wo ist ein Volk, gross, dass Gott ihm nahe ist wie Haschern, unser Gott.“ „Und wo ist ein Volk, gross, dem Satzungen eigen wie das Ganze dieser Thora.“ Den Zusammenhang dieser beiden Sätze lehren unsere Talmudgelehrten in Tractat Berachoth 6. Und nach dem Gesagten glauben wir, diese Lehre, die zur Stelle in mystisch-poetischem Gewände gehüllt ist, zu verstehen. Der zweite Satz ist die Begründung des ersten; der erste ist auf den zweiten angewiesen. Das Ganze dieser Thora, welche die Gesetze entfaltet — die Gesetzlichkeit demonstriert die Gottesnähe, ist Bjücke, ist Band. Aus diesem kurzen Präludium über das Cohen’sche Buch wird der geschätzte Leser einen Schimmer von dem Abglanze wenigstens empfangen haben, den die Gedankenfülle und -tiefe desselben ausstrahlt. Was uns hierbei besonders interessiert, tief bewegt und erhebt, ist die restlose Abfertigung und Abweisung aller Lehrmeinungen, die zu negierenden Resultaten führen. Gleichviel von welcher Seite sie auch kommen mag; ob von der Natur-, Geschiehts- oder Bibelforschung, jede Gott oder die Göttlichkeit der Thora leugnende Doktrin erweist sich in der Beweisführung dieses Buches als eine bedauerliche Lehre, die entweder in marklosem Materialismus, in einseitiger Wortsucherei, oder in der Methode historischer Schablone stecken geblieben, unfähig zu philosophischem Denken sich aufzuschwingen, die Dinge von der Warte der Unendlichkeit aus zu betrachten, sub specie aeternitatis, von wo allein sie ihre wahre Gestalt enthüllen. Dieses philosophische Denken aber ist tief verankert im Judentum, in seiner Literatur,