Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1921-01-01 · 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921) · p. Seite 113

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921-1921)
Issue
6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 113 (sequence 121)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3135693-3135702--1545-3137272
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

113 liehe durch blinden Zufall oder durch tausend aufs Geratewohl unternommene Experimente auf den „Begriff“ seiner Entdeckung oder Erfindung? Geht vielmehr der Weg nicht umgekehrt? Müssen die Experimente nicht so lange missglücken, bis sie parieren, sich dem Begriff, der ihren Weg zeichnet, anbequemen? Der Begriff geht voran. Der Begriff befiehlt. Der Begriff ist die Aufgabe. Der Begriff ist die Methode. Der Begriff ist das Problem! Wolieh wir daher eine entwicklungsgeschichtliche Betrachtung über Religion anstellen, so müssen wir den Begriff Religion besitzen; müssen denselben an unsere Betrachtung heranbringen; nicht aber aus derselben herausholen. Andernfalls betreiben wir die lächerliche Paradoxie: es habe sich ein Etwas entwickelt aus einem Nichts; es habe sich Religion entwickelt aus keiner Religion. Aber — so wird eingewendet: der Urzustand, der Naturzustand der Menschen bietet ja das Element, woraus in höherer Entwicklung und Züchtung die Vernunftreligion entstanden! Hier zeigt sich nun die ganze Schwäche der historischen Methode: Sie sieht nicht ein, dass das Element eines Organismus den ganzen Organismus wiederspiegelt, dass es Fleisch seines Fleisches, Bein seines Beines ist. Sie sieht nicht ein, dass Leben nur Leben geben kann. Sie sieht nicht ein, dass aus brutalen Handlungen der Feueranbeter, der Geisterbanner, dass aus Greulichkeiten keine Religion; sieht nicht ein, dass aus dem, was aller Sittlichkeit, allem Verstände, aller Vernunft widerspricht, nicht der Begriff Vernunft-Religion; sieht nicht ein, dass aus dem, was der Religion widerspricht nimmer Religion entstehen kann! Indem also Cohen die allgemeine Kultur- und Religionsgeschichte für unfähig hält, um aus ihr und durch 8

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.