Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921-1921)
- Issue
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 102 (sequence 108)
- Language
- German
- Belongs to
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102 und Kopf ein Reiter daher, staubbedeckt und ohne Atem. Er schlug Alarm und in einigen Minuten war alles auf den Füssen. Die Ursache war die: Araber hatten eine unferne Farm überfallen. Schon die ganze Nacht hindurch dauert die Schiesserei. Die Verteidiger, einige Zehnt Schomrim und Arbeiter, haben sich auf einem Hügel verschanzt und wehren sie ab. Die arabischen Kräfte wachsen fortwährend. Das heldenhafte Häufchen jüdischer Verteidiger hat schon Verluste gehabt. Wenn ihnen keine Hilfe kommt, können sie sich nicht länger halten. So meldet der Reiter. In der Kolonie entstand sogleich ein Aufruhr. Die Jugend, kampfesmutig und begeistert, sammelt sich, mit Büchsen bewaffnet. Die schnellsten Pferde wurden gewählt. Matwejew und sein Sohn waren eben aus dem Stall gekommen, als sie vernahmen, worum es sich handelte. Wie ein Blitz durchzuckte es diese Bauern. Unwillkürlich flammte es in beider Augen wie auf einmal feurig auf, und ihre Nasenflügel bebten. Das alte slavische Blut wachte auf in ihren Adern, wie gefangene Raubvögel, die den Duft vergessener Wälder plötzlich spüren oder den Geruch der Schlacht. Ein Kampf . . . ein Überfall — brummte der Junge dem Alten zu und knirschte leise mit den Zähnen und ballte die Fäuste. Ein heimlicher tiefer Stolz zitterte durch sein aufbrausendes russisches Blut. Er, der Fremde, der Ger, wird jetzt die jüdische Ehre verteidigen gehen. Obwohl „Jude“ unter Juden, fühlte dieser Sohn der Wolga doch die Mauer, die ihn von ihnen trennte — das Geheimnis der jüdischen Rasse.