Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920-1920)
- Issue
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 246 (sequence 252)
- Language
- German
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246 am Wohnorte seiner Braut, zu vollziehen, da in dem dortigen Distrikte gerade kein Rabbiner fungiere, indem die Stelle erledigt sei. Das Fuhrwerk des Brautvaters holte mich von der Eisenbahnstation ab, um mich nach H—heim zu bringen. Vor dem Orte ist die ganze jüdische Gemeinde zu meinem Empfange versammelt, und an der Spitze derselben steht — mein graues Männlein. Als es mich sieht, ergreift es meine Hand und führt sie an seine Lippen. „Kinder,“ redete er dann die versammelten Glaubensgenossen an, „das ist der ehrwürdige Mann, der meinem Enkel das Leben gerettet und nichts dafür bezahlt genommen hat!“ Dann winkte er einem jungen Weibe, das einen kräftigen, pausbäckigen Jungen mir in den Wagen hineinhält. „Sehen Sie, Herr Rabbiner, das ist mein Enkelkind, das ist der kleine, liebe, goldige Benzion Gawriel Löb Wolf Bär Hirsch Moscheh!“ „Aber,“ fragte ich ganz erstaunt, „warum haben Sie dem Kinde so viele Namen gegeben?“ „Das haben Sie ja selbst so angeordnet! 0, ich habe ein gutes Gedächtnis; ich weiss Ihre Predigt von Schabbos Schuwoh noch heute auswendig.“ Ich erinnerte mich jetzt; die Namen, die ich ihm zur beliebigen Auswahl genannt, er hatte sie sich alle gemerkt und sie allesamt dem ursprünglich beabsichtigten Namen „Moscheh“ vorgesetzt. An diesem Tage hatte ich mehr Müsse, dem grauen Männlein zuzuhören; auch meine Trauungsrede entzückte ihn, und er wiederholte sie später fast wörtlich. Er begleitete mich nach der Eisenbahnstation zurück und erzählte noch viel von seinen Erlebnissen zu Wasser und zu Lande. Sein Enkelkind gedeiht recht