Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920-1920)
- Issue
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 206 (sequence 212)
- Language
- German
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206 Jehudim. Viele Gedaule-Iisroel, haben dort ihre Ruhestätte gefunden, wovon die Inschriften auf manchen Grabsteinen zeugen. Auch mancher mehr als 200 Jahre alter künstlerisch behauener Grabstein spricht von Geschmack und Wohlstand der jüdischen Einwohner. Die Grabinschriften sind im Jahre 1881 von Dr. Grunwald, dem seligen Oberrabbiner von Bulgarien, und dem Schreiber dieser Zeilen entziffert und dem Druck übergeben worden. Die denkwürdigste dürfte aus dem Jahre 1749 sein, die sich auf dem in Form einer Gruft hergestellten Denkmal für in diesem Jahre in Breslau durch eine Pulverexplosion getötete Juden befindet. Die in Breslau wohnenden Juden durften vor dem Jahre 1762 ihre Toten nicht in Breslau beerdigen und begruben sie daher zumeist in dem am nächsten gelegenen Dyhernfurth. Erst im Jahre 1762 erteilte Friedrich der Grosse den Breslauer Juden die Erlaubnis zur Errichtung eines eigenen Gottesackers. — Die Dyhernfurther Judengemeinde nahm ständig an Zahl zu, so dass sie dann nicht allein einen Rabbiner, sondern zur Zeit ihrer grössten Blüte auch zwei Schochtim und drei Lehrer anstellte. Mit der Zeit der Freizügigkeit wurde die Gemeinde von Jahr zu Jahr kleiner. Ein Lehrer nach dem andern musste entlassen werden, bis die Schule ganz aufhörte. Die Alten starben dann aus und die Jungen zogen in die grossen Städte. R. Chaim Kroner, mein Grossvater, der vorher Dajan in Gr. Glogau war und im Jahre 1832 Rabbiner in Dyhernfurth wurde und es bis zu seinem im Jahre 1861 erfolgten Tode geblieben ist, war der letzte Dyhernfurther Rabbiner. Jetzt ist von der einstigen jüdischen Herrlichkeit nur noch ein voller Friedhof und ein verödetes, leeres Gotteshaus übrig geblieben. Nur die Alten erinnern sich noch an das lange, zwölffenstrige, dreistöckige, aus Fachwerk gebaute und mit Balken durchzogene Gebäude, das unter dem Namen „Die Druckerei“ bekannt war, und an dessen