Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920-1920)
- Issue
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 180 (sequence 184)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3135693-3135704--1313-3137039- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
180 spezifisch jüdisches Leid, das er auch ertragen muss. Diese 90% des Ertragbaren kann er noch auf seine gebeugten Schultern nehmen; allein das Leid, das ihm Hass und Sabotage bereitet, und das wieder 50% des Ertragbaren ausmacht, lässt das Mass des Ertragbaren übersteigen : er muss zusammenfallen, wenn ihm nicht durch Hilfe von seiten jüdischer Komitees in dieser Beziehung geholfen wird. Und es soll hier wiederholt werden: nicht durch Lärm und donnerndes Auftreten gegen antisemitisierende Beamte, sondern in ruhiger, sachgemässer Weise. Bei zahlreichen Beratungen innerhalb dieser Komitees soll an Ort und Stelle individuell jede Seite der so kleinen, aber ach so zahlreicher Probleme erörtert und dann in diesem Sinne vorgegangen werden. Hilft nach aussen hin zuweilen das Lärmen, nach innen hilft immer nur die Bedächtigkeit, und diese muss reiflich erwogen und still durchgeführt werden. Bei vielen, vielen wird diese Aufgabe nicht ihrem Gefühlsleben entsprechen, insbesondere nicht der Jugend, deren heisses Temperament in der Regel andere Wege wünscht, und die doch in erster Reihe zu solchen Aufgaben berufen ist. Auch dieses ist verständlich, auch dieses ist wahr; aber was können die Juden denn anderes tun . . . Ach, warum sind wir anders worden von allen Völkern und Sprachgemeinschaften . . . Zürich. Dr. Mordche W. Rapaport.