Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920-1920)
- Issue
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 163 (sequence 167)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3135693-3135704--1296-3137022- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
163 dieser neuen Ideen bekannt wurden, da schloss sich fast die gesamte Vertretung der alten Weltordnung in Europa zusammen, um den Juden das Erschüttern dieser Ordnung zuzuschreiben. Die Vereinigung und Verschmelzung dieser sowie der früher angeführten Momente zusammen brachten dann den Juden eine Hölle auf Erden, ein Fegefeuer, das schon beim Leben dieser Menschen höllische Gluthitze über die Gesamtheit, aber noch viel mehr über die Einzelnen, ausbreitete. Da, durch den allgemeinen Weltbrand aufgeregt, kein fremdes Volk den Juden helfen mochte, so mussten sie versuchen, sich selbst zu helfen. Helfen, bedeutet hier in erster Reihe, die noch vorhandenen Kräfte sammeln, den Rest zusammennehmen, die kleinsten Teilchen Zusammentragen, um auf diesen und aus diesen etwas Neues aufzubauen. Ähnlich versuchten es auch die anderen Völker. Aber es gab und gibt doch einen grossen fundamentalen Unterschied zwischen diesen und den Juden. Jene besitzen, jedes Volk, jede Nation für sich, ein grösseres oder kleineres Territorium. Dieses wurde durch den Krieg beschränkt, zum Teil verkleinert, zum Teil nicht in dem gewünschten Masse anerkannt; im allgemeinen hatte die Friedensordnung jedem Volke zumindest den Grossteil eines Territoriums, seines Territoriums, gebracht. Und auf diesem Territorium war dieses Volk sein eigener, unbeschränkter Herr; dort konnte, dort durfte, dort sollte er seine Kräfte sammeln. Dort hatte es keine Gegner, keine Feinde zu befürchten. Juda aber hatte diesen Sammelpunkt nicht; es besass und es besitzt keinen Punkt auf der grossen, weiten Welt, wo es die Majorität auf einem noch so beschränkten Territorium hätte, und daher besitzt es auch keinen territorialen Sammelpunkt, zumindest jetzt, sofort nach dem Kriege. Allen Völkern wurde das Recht und die Möglichkeit