Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920-1920)
- Issue
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 162 (sequence 166)
- Language
- German
- Belongs to
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162 und der Liebeswerke (?) des Militarismus gestanden. Brandsäulen und Brandschatzungen zeichneten den Weg dieser jüngsten modernsten Pest. Die Kriegs folgen aber waren für die Juden direkt verheerend und vernichtend. Selbstredend für die Juden des Galuth. Während die Intellektuellen und die von nationalen und religiösen Gefühlen beherrschten Juden wie hypnotisiert nach dem im Osten aufsteigenden Glücksterne schauten, ging ,,der schrecklichste der Schrecken“ über die Juden hinweg, und dieses ist nach Schiller: ,,Der Mensch in seinem Wahn“. Die Menschen wähnten, jeder für sich, dass sie an dem Kriege unschuldig seien, dass sie an den Unglücken des Krieges unschuldig seien, dass an jedem Missgeschicke immer ein Fremder schuldig sein müsse; jeder auf der Welt sei schuldig, nur nicht sie selbst. Und auf der Suche nach diesem vermeintlichen Schuldigen, auf der Suche nach dem Sündenbocke für Alles und Jedes griffen sie nach den Juden, weil eben die Juden als die Schwächeren es nirgends in der Hand hatten, ihre Unschuld zu beweisen. Und dieser Wahn brachte soviel Hass gegen die Juden hervor, dass man nicht glauben mochte, dass noch so viel von diesem Artikel auf der Welt existiere, in der modernen Welt der sog. Kultur und des Fortschrittes. In Orgien entlud sich dieses Gewitter über die jüdischen Köpfe, indem es zermalmend und zerstörend, in erster Reihe über das jüdische Volksvermögen sich dahin wälzte. Denn Morden in grossem Masstabe konnte man nicht mehr, das heisst man mordete zwar auch weiter, aber entweder nur in relativ beschränktem Masse der Progrome Zentraleuropas oder in der hyänenhaften Weise des europäischen Südostens. Und als noch gar in Konsequenz des grossen Weltjammers eigenartige Thesen für eine neue Weltordnung ins Verbreiten kamen und vereinzelte Juden als Träger