Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920-1920)
- Issue
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 140 (sequence 142)
- Language
- German
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140 binern bemühte sich der Unermüdliche zu gewinnen. Im Jahre 1865 wurde er durch die Vermittlung eines sehr liberalen katholischen Paters Modelaine ins Haus des berühmten jüdischen Finanzmannes Mirés, des Vaters der Fürstin Polignac eingeführt. „Aber Herr Mirés wurde darüber unwillig, weil er eine ähnliche Idee hatte; er wollte meine Intentionen nicht verstehen, denn ich verlangte nichts und hätte ihm die ganze Ehre überlassen.“ Dunant tritt an Cremieux heran, der ihm gegenüber sehr zuvorkommend war. In einer Jahressitzung der „Alliance Israélite Universelle“ stellte ihn Cremieux der Versammlung in der wohlwollendsten Weise vor. Auch mit Moses Montefiore gelingt es ihm zusammenzukommen. „Er hatte mich wohl verstanden und ich hatte grosse Hoffnungen, aber er war sehr alt.“ In Paris gründet er eine kleine Gesellschaft zur Unterstützung von Christen und Juden im ottomanischen Reiche. Das Bestehen dieser Gesellschaft war jedoch von kurzer Dauer, da ihre Arbeiten unter den Eifersüchteleien der Mitglieder litten. Auch die Pariser Presse bemüht sich Dunant für seinen Plan zu gewinnen. „Ich verausgabte unsinnige Summen an die Journale, die mich in meiner Naivität in Paris schrecklich gebrandschatzt haben.“ Er tritt in dieser Zeit der Anglo Jewish Association in London bei, damals unter dem Vorsitz des Baron Henry de Worms, Minister der Königin Victoria. Im Jahre 1860 nach dem preussisch-österreichischen Kriege „au comble de la gloire“ sehen wir ihn in Berlin. Er spricht bei den berühmtesten Familien vor wie bei den Bleichröders, Jacques usw., aber alles war fruchtlos. Im März des Jahres 1866 arbeitet Dunant ein Projekt zur Gründung einer „Société internationale pour la renovation de l’Orient“ aus. Von der Tatsache ausgehend, dass die orientalische Frage mit all ihren nationalen, religiösen, wirtschaftlichen und politischen Prob-