Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920-1920)
- Issue
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 107 (sequence 108)
- Language
- German
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107 räumlichen Differenzierung das weitere charakteristische Merkmal der Judenfrage, ihre Universalität gegenüberstellt? Es gibt ja wohl kaum ein Fleckchen Erde, wo eine einigermassen ansehnliche Anzahl unserer Glaubensgenossen lebt und wo dieses Fragezeichen nicht so oder anders in all seiner verdriesslichen Unlösbarkeit aufragen würde. Und wenn wir irgendwo die Judenfrage nicht antreffen, so ist es entweder, weil die Juden dort eine vierstellige Zahl überhaupt noch nicht erreicht haben, oder aber, weil, wie in Italien und einigen skandinavischen Staaten, ihr Prozentsatz im Vergleich zu der Gesamtbevölkerung noch ganz minim ist (Yio Prozent oder noch weniger). Wir wissen es aber aus tausendfacher Erfahrung: steigt die Zahl der Juden irgendwo bis auf einen bestimmten Betrag, so stellt sich der Antisemitismus sozusagen automatisch ein. Nicht überall ist der gleiche Prozentsatz notwendig, um die Judenfrage zur Tagesfrage zu machen. Jedes Land hat einen bestimmten Juden- Sättigungs-Koefficienten, wenn ich mich mathematisch ausdrücken darf. Ist dieser Grenzwert überschritten, so ist die Geburtsstunde des aktiven, des kinetischen Antisemitismus da. Die Höhe dieses Grenzwertes variiert aber wiederum mit der Zeit und überdies mit den politischen, sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen des betreffenden Landes. * * * So türmen sich die Schwierigkeiten zu einer verwirrenden Unübersichtlichkeit, sobald man an die Analisierung der uns interessierenden Frage heranzutreten wagt. Dieser Umstand bewirkte nun in fataler Weise eine ganz eigenartige Folge: schon früh begann man dieses