Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920-1920)
- Issue
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 87)
- Language
- German
- Belongs to
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86 wir unser Judentum auf den seit Ewigkeit bewährten Prinzipien der תורה aufbauen, dann haben wir alle im heiligen Lande Platz und unsere Zukunft ist sichergestellt. Soweit sind wir aber leider noch nicht. Vorläufig warten viele Tausende darauf, dass wir ihnen ein Heim bieten, und wir wissen, dass etwas geschehen muss. Wir haben die unabweisbare Pflicht, unseren Arbeitern eine Einwanderungsmöglichkeit, wohin auch immer, zu gewähren, wo ihr Glück gewährleistet ist, den heimatlosen jüdischen Massen eine Zukunft zu erwirken. Wir wissen alle, dass die Lage unserer Brüder in vielen Ländern ganz verzweifelt ist. Und auch wo noch Sicherheit herrscht, ist solche nur scheinbar: es ist eine Sicherheit, die einer Ruhe vor dem Sturme gleicht. Der jüdische Organismus ist von Sorgen bedrückt, denn viele seiner Glieder sind schwer krank. Eines ist gut: Es gibt heute wohl keinen Juden, der über unsere Aufgabe irgendwie im Zweifel sein könnte: wir alle fühlen es als heilige Verpflichtung, den Massen unserer Brüder eine Zukunft zu schaffen. Der Einzelne ist machtlos und machtlos auch ist die einzelne Partei. Unsere Kraft liegt in der Einheit. Wir müssen vor allem organisiert sein. Es muss eine geistige Verbindung zwischen allen Juden aller Länder hergestellt werden, soweit es Juden sind, denen der Begriff Judentum nicht nur Name und Rauch ist, Juden, denen das Wohl ihrer Brüder am Herzen liegt. Ich bin ein einzelner und meine Stimme hat keine Kraft. Schon vor Jahren machte ich auf das kommende Verhängnis aufmerksam, als es noch Zeit war, viele Auswege zu ermitteln. Doch meine Stimme verhallte in der Wüste, und als ich als einzelner versuchte, noch vor Trojas Ende mit Donnerstimme zu warnen und mit Fingern auf das kommende Übel zu zeigen, verbrannte ich mir die Finger. Darum war Schweigen mein Los. Doch wie kann ich angesichts des Unglücks meines Volkes