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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1920-01-01 · 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920) · p. Seite 77

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920-1920)
Issue
5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920)
Date
1920-01-01
Page
Seite 77 (sequence 78)
Language
German
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IRI
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77 mit Verbrechen. Man muss kein Alcest sein, um zu erkennen, dass es Dinge gibt, wo ein Zugeständnis an den Zeitgeist ehrlos und schändlich wäre. Es ist nicht denkbar, dass ein verständiger Mensch sich unter solchen Umständen auch nur einen Teil der Erkenntnisse seiner Gegner gewaltsam aufoktroyieren lasse. Solch erkünstelter Friede wäre wahrlich kein wahrer Friede, wäre Versündigung gegen den Geist, Versündigung an der Würde der Wahrheit. Wollte z. B. ein sog. Orthodoxer einem sog. Neologen gegenüber in Dingen religiöser Erkenntnisse Konzessionen machen, so scheint dies dem Laien bescheidene Selbstgenügsamkeit zu sein. Bei Licht besehen wäre solche Handlungsweise jedoch eine Herabwürdigung der Wahrheit. — Es gibt also gewisse Dinge, wo es in der Natur der Sache liegt, dass man sich nicht auf halbem Wege begegnen kann, wie gross auch die Nachteile eines solchen Streites sein mögen. Mögen aber auch haarscharfe Kontraste im Inneren sein, so sollte man doch nicht vergessen, dass wir als Glieder der Judenheit alle für einander verantwortlich sind. Also sind wir ohnehin einig und einig sind wir auch im Beruf für die Wahrheit zu leiden und sie der Menschheit zu künden, und einig sind wir im starken Glauben an den Sieg der Gerechtigkeit. — Wohin soll es wohl führen, dass wir heute schon ein rabbinisches, ein nationales, ein zionistisches, ein orthodoxes, ein liberales, ein prophetisches, ein demokratisches Judentum haben, neben all den verschiedenen jüdischen Vereinen, von denen jeder glaubt, das Judentum ganz allein gepachtet zu haben?! Einer der grössten Mängel unserer Zeit mag wohl darin zu erblicken sein, dass jeder einer bestimmten Partei angehören möchte. Nachdem man ehemals sich zu wenig politisch bildete — was sicher ein grosser Fehler war — ist man heute geneigt, in den gegenteiligen Fehler zu verfallen. Wohl

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