Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920-1920)
- Issue
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 76)
- Language
- German
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„Wir sind ein Volk, und einig woll’n wir handeln.“ Gelehrte stritten darüber, ob es der Kompromiss oder das Kompromiss heissen müsse. Da meinte einer, dass einzig richtig das Kompromiss sei, denn ein Kompromiss sei niemals männlich. Es wurde zwar entschieden, man könne das oder der Kompromiss sagen; mir persönlich sagt jedoch die Meinung des Witzbolds mehr zu. Um ein Kompromiss herbeizuführen, müsste ein jeder von seiner eigenen Meinung einen Teil auf geben und von der entgegengesetzten Meinung einen Teil annehmen. Dies mag im Interesse des Friedens angenehm sein, vom Standpunkte des Selbstbewusstseins jedoch j ist es erniedrigend. Sobald es sich um gleichgültige | oder zumindest zweifelhafte Dinge handelt, mag ein j solches Kompromiss im Interesse eines vernünftigen Verkehrs unter den Menschen geboten sein. Es geht einfach nicht an, dass wir uns wegen allem und jedem | gleich in den Haaren liegen. Wenn es sich jedoch um An- I schauungen aus dem Reiche der Ewigkeitswerte handelt,!so dürften solche Gedanken unter keinen Umständen eine Beeinträchtigung erfahren. Wir müssten das, was wir als das Urewige erkannt haben, geradezu davor schützen, dass es wie das Gewöhnliche in den Kot ge- | zogen und im Wechsel der Zeiten und Geschlechter | verändert werde, weil es eben dadurch seinen Charakter Ides Urewigen einbüssen würde. In vielen Fällen mag ein Urteil durch Nachlässigkeit erworben sein. Man war zu bequem, einen Gedanken [J bis zu Ende zu denken und liess sich leicht dazu über-