Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920-1920)
- Issue
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 72 (sequence 73)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3135693-3135704--1202-3136928- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
72 bei der starken Parteidifferenzierung im Judentum schwere Aufgabe! Aber nicht unlösbar, wenn wir den Mut und die Simchoh schel Mizwoh aufbringen, die uns zur jüdischen Tat begeistert! Mit der Annahme der Resolutionen in der Nachtsitzung vom 12. August war die Arbeit der Konferenz beendigt. Es darf gesagt werden: sie trug den Stempel des Ernstes und der Ausdauer; was ihr an Vorbereitung fehlte, ersetzte in den Kommissionen die zielbewusste und gründliche Arbeit anerkannter Fachleute. Was an der Zusammensetzung der Konferenz unvollkommen war, mag nachträglich gutgemacht werden. Was auch an schönen Prinzipien aufgestellt wurde, es sind immer Menschen von Fleisch und Blut, die sie zur Durchführung bringen müssen. Es wird die Aufgabe des in der Schlusssitzung des 13. August gewählten 29 gliedrigen Zentralrates und der 9 gliedrigen Exekutive sein, das Vertrauen zu gewinnen, das Vertrauen der grossen Hilfsgesellschaften in Europa und Amerika, der grossen Gesinnungsgruppen im ganzen Judentum und last not least der hilfsbedürftigen jüdischen Massen. Mögen sie das begonnene Werk in gute Wege leiten und vor die im nächsten Jahr geplante zweite Konferenz mit bestimmten Plänen, vielleicht schon mit Resultaten treten. Ob diese Konferenz nach dem Wunsche Sokolows als jüdischer Weltkongress Zusammenkommen wird, bleibe dahingestellt. Ein gellender Schrei um Hilfe erschüttert die jüdische Welt. Er dringt auch in unser wohlgebautes, sturmbewährtes Schweizerhaus und macht unsere Herzen erzittern ob der unnennbaren Qualen unserer Brüder. Wird er uns aufrütteln zur grossen Tat, die geboren wird aus Erbarmen und aus Dank? Ich hoffe nnd ich glaube es. Louis Wyler. Baden.