Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919-1919)
- Issue
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 250 (sequence 260)
- Language
- German
- Belongs to
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250 „Nein, Sserel,“ sagte er, „der liebe Gott hat mir noch nichts zugeschickt. Aber es kam ein fremder Mann zu mir .. .u Und nun erzählte er ihr die ganze Geschichte von den sieben guten Jahren, die ihm beschieden seien. Nur müsse er wählen, ob er sie gleich haben wolle oder erst vor dem Tode. Und darum komme er sie um Rat fragen, für wann er sich entscheiden solle. Sserel überlegte nicht lange und sagte: „Geh, mein Lieber, und sag' dem fremden Mann, dass du die sieben guten Jahre jetzt gleich haben willst.“ Tojwje war erstaunt: „Warum, meine Liebe? Nach den sieben Jahren werden wir doch wieder arm werden. Und du weisst ja, der Herabgekommene ist schlimmer daran, als wer vom Hause arm ist.“ „O, wer wird auf so lange hinaus denken, mein Guter. Vorläufig nimm, was man dir gibt und sprich: Gelobt sei der Herr für jeden Tag! Zumal wir Chedergeld (Schulgeld) für die Kinder brauchen. Sieh, man hat sie mir nach Hause geschickt. Da spielen sie im Sand.“ Damit war Tojwje überzeugt, und eilte mit der bündigen Antwort, dass er die sieben guten Jahre unverzüglich haben wolle, zu dem fremden Mann zurück. „Überleg' dirs noch,“ meinte dieser. „Heute bist du noch ein kräftiger Mensch und kannst verdienen, bald etwas mehr, bald etwas weniger. Was wird aber später sein? Wenn du in den älteren Jahren plötzlich arm wirst und keine Kraft mehr hast, um zu arbeiten?“ Doch Tojwje blieb fest. „Mein Weib hat mir so geraten,“ antwortete er. „Erstens, sagte sie: Gelobt sei der Herr für jeden Tag, und zweitens hat man uns die Kinder aus dem Cheder nach Hause geschickt...“