Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919-1919)
- Issue
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 233 (sequence 243)
- Language
- German
- Belongs to
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233 rend der Diener sich auf den Bock setzte. Hurtig schwang sich Perez auf den Hintersitz, und fort rollte der Wagen durch viele grosse und kleine Strassen, bis er vor einem palastähnlichen Hause anhielt. Rasch sprang Perez zur Erde und stellte sich demütig an den Wagenschlag. „Herr,“ sprach er zu dem Aussteigenden, „vergönnt mir, Euch in Euer Haus zu folgen; ich habe Euch eine wichtige Mitteilung zu machen.“ Der Herr nickte bejahend und Perez folgte ihm. Prächtige Stufen ging es hinauf in das Haus, und durch eine köstlich geschmückte Vorhalle und eine mit kostbaren Teppichen belegte Marmortreppe empor, gelangte man in das Zimmer des Hausherrn. Als Perez eingetreten war, erblickte er, gerade der Tür gegenüber, das Bild des Stifters der christlichen Religion. Das brachte ihn so in Verlegenheit, dass er keines Wortes mächtig war. „Was wünscht Jhr?“ fragte ihn der Hausherr. Perez fasste sich mit Mühe. „Herr,“ sprach er zitternd, „ich sah Euch Bitterkräuter kaufen für den morgigen Abend!“ Der Hausherr erblasste. „Ha,“ rief er zornfunkelnd, „Jhr wollt Geld von mir erpressen, wollt mit einer Klage beim Inquisitionsgerichte drohen! Allein Jhr irrt Euch! Man kennt mich als einen viel zu guten Christen, als dass man solchen Verdächtigungen Gehör gäbe!“ „Nicht doch, nicht doch,“ rief Perez weinend, „ich bin gekommen, mich Euch anzuvertrauen — ich bin ein flüchtiger, verfolgter Maranne!“ Da ging eine plötzliche Veränderung in des Hausherrn Zügen vor: er eilte auf Perez zu und schloss ihn in die Arme. „Seid mir gegrüsst,“ rief er, „mein Freund, mein Bruder! Bleibt bei mir, Ihr seid sicher in meinem Hause.