Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919-1919)
- Issue
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- – (sequence 219)
- Language
- German
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Martyrium.1) Eine chassidische Passah-Legende. Es geht die Sage, dass einst Rabbi Israel-Baal-Schem in heiliger Passahnacht auf dem Sederlager, von Wein und Melodien müde, eingenickt war. Keiner der zahlreichen an seinem Passah-Tisch versammelten Gäste wagte es, den Zaddik zu wecken, denn sie ahnten wohl, dass es kein gewöhnlicher Schlummer sein mochte, der ihren Rabbi mitten im heiligen Amte der Wachenacht (Leil Schimurim) befallen. Sein Antlitz leuchtete nämlich wie eine nächtliche Sonne und die Schatten überirdischer Visionen huschten über seine Stirn. Ihn, seines Volkes grossen Sohn, nahm ein Engel bei der Hand und führte ihn durch die Jahrtausende lange Passahnacht des Exils. Und sie wanderten durch Spaniens herrliche Städte, über die gesegneten Fluren von Flandern und Brabant, durch Deutschlands mittelalterliche Gaue. Und überall, wo in heiliger Passahnacht ein Jude sich an den Sedertisch setzte, sah Israel-Baal-Schem seinen weissen festlichen Kittel allmählich rot und röter werden, bis er ganz durchtränkt war von Blut. In Spaniens herrlichen Städten lauerten dem passahfeiernden Juden die Schauer der Inquisition, in Flandern l) Anmerkung der Redaktion. Im Vorjahre waren wir in der Lage, an dieser Stelle einen Abschnitt des Kulturromans aus dem Osten «Gad der Seher» abzudrucken, der dann im Laufe des vergangenen Jahres im Hallwag-Verlag in Bern erschienen ist, und mit dem sich der Verfasser, Dr. Max Rosenkranz eine hervorragende Stellung im Kreise der zeitgenössischen jüdischen Schriftsteller erworben hat. Der erwähnte Roman ist inzwischen auch in die englische Sprache übersetzt worden. Für dieses Jahr hat uns der Verfasser in freundlicher Weise eine chassidische Legende zur Verfügung gestellt.