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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1919-01-01 · 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919) · p. Seite 207

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919-1919)
Issue
4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 207 (sequence 216)
Language
German
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207 in den Jahren des Elends und der Not so zu erziehen, dass dieses ostjüdische Kind den Vergleich mit unsern in Luxus und Wohlstand gross gewordenen Kindern wohl auszuhalten vermag. Was wir Eltern durch die sorgfältigste Erziehung und durch guten Unterricht bei unsern Kindern so schwer erreichen, die Ausbildung eines schönen, in sich gefestigten Charakters und schöner Eigenschaften des Herzens, das war bei diesem Kinde etwas natürliches und selbstverständliches, ein Ausfluss seiner jüdischen Gesinnung. Von seinen grossen Geistesgaben mit seinem raschen Auffassungsvermögen, die uns alle in Erstaunen setzten, will ich dabei gar nicht sprechen, denn diese sind ein Gottesgeschenk. Aber wenn Jakob auch nicht begabt gewesen wäre, so war er doch mit seinen jungen Jahren bereits — was der Dichter als höchstes Glück preist— eine Persönlichkeit! Je mehr ich darüber nachdachte, woher das Kind den harmonischen Aufbau seines Charakters habe, umso mehr erkannte ich, dass es daher komme, weil er in einem einheitlichen jüdischen Milieu gross geworden und nur mit gleichgesinnten Kindern erzogen worden ist. Die jüdische Schule, das Cheder, das er besucht, das nur ein Ziel kennt, die Kinder zu guten Juden zu erziehen, hat die Einheitlichkeit seines Gefühls- und Geisteslebens erzeugt. In Westeuropa besuchen mit wenigen Ausnahmen die jüdischen Kinder die öffentlichen Schulen, in denen uns fremde Ideale eingepflanzt werden. Die jüdische religiöse Erziehung läuft nur nebenher und kann sich nicht kräftig entfalten. So entsteht in unsern Kindern etwas Zwitterhaftes. Sie sind Juden, aber sind es nicht ganz, können schon als Kinder sich nicht völlig jüdisch ausleben. Ganz anders unser Wiener Kind. In einem jüdischen Milieu ist es gross geworden, es kennt nur jüdische Art und jüdische Gewohnheit und nur jüdische Ideale hat es im Leben und in der Lehre kennen und lieben gelernt.

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