Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919-1919)
- Issue
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- – (sequence 197)
- Language
- German
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Skizzen zur Geschichte der Juden in Zürich. Im Jahre 1273 führte Walter von Elg in schweren Geldnöten „den grossen Kelch gen Zürich und wollte ihn da versetzen an die Juden. Da sprachen die Juden, si nemmint enkainen ganzen Kelch zu Pfand“ (Kirchenschatz durfte nicht von Juden als Pfand angenommen werden). Daraufhin nahm Walter den Kelch, der 70 Mark Silber und eine Mark Gold wert war und den er vom Kloster in St. Gallen unter Drohungen, als Begleichung seiner Rechnung erhalten hatte, und: „so wollt er in brechen und zerbrach in och“.1) Dies ist die erste Nachricht von den Juden in Zürich, die der St. Galler Chronist Kuchimeister in seiner Chronik erwähnt. Wir sind freilich nicht in der Lage, heute historisch festzustellen, wie lange sich die Juden in Zürich vor dem Jahre 1273 auf hielten, können aber ruhig annehmen, dass ihre Ansiedelungen an der Limmat bis in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts zurückreichen. Das 12. Jahrhundert, die Zeit des ersten und zweiten Kreuzzuges, bildete für die Juden in West- und Mitteleuropa bekanntlich eine lange Kette von unerhörten Leiden. Seit dem Aufkommen der ersten Blutbeschuldigung wurden die Juden verjagt und mit Feuer und Schwert ausgerottet. Und diejenigen Juden, die ihr Heil in der Flucht fanden, zogen meist gegen Osten, nach Polen. Ein kleiner Teil kam auch nach Helvetien. Die i) vergl. K. Hauser, Geschichte der Stadt, Herrschaft und Gemeinde Elgg S. 59.