Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919-1919)
- Issue
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 160 (sequence 163)
- Language
- German
- Belongs to
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160 ganzen Schar von mehr oder minder guten Künstlern auf Kupferplatten festgehalten und durch den Abdruck weiteren Kreisen zugänglich gemacht. Es kann nicht verwundern, dass die Zeichenkunst dieser Heroen der italienischen Frührenaissance auf die Entwicklung des Kupferstiches in Italien von Bedeutung wurde. Besonders klar lässt sich dies von Pollaiolo nachweisen, dessen Stil in einer ganzen Gruppe florentinischer Stecher wiederkehrt. Eine grosse Anzahl von Blättern lehnt sich an Vorbilder der Malerei an und entnimmt ihnen gewisse charakteristische Typen, Gruppen etc. In dieser Serie begegnen wir auch zahlreichen biblischen Illustrationen, wie: Sündflut, Moses auf dem Berge Horeb, Davids Sieg über Goliath, Salomo und die Königin von Saba etc. Meistens wurden diese Bilder jedoch als billiger Ersatz für Altargemälde und Andachtstafeln hergestellt, sodass sie wohl kaum als ein Gradmesser für den Fortschritt des italienischen Stiches in Betracht kommen. Auch um Boticelli bildete sich ein Kreis von z. T. sehr fähigen Stechern. Aber weit mächtiger noch als die Florentiner Meister greift Andrea Mantegna in die Entwickelung des Kupferstiches ein. Dadurch, dass der Maler Mantegna, der auch im engen Rahmen der gestochenen Zeichnung die Vorstellung und Wirkung monumentaler Grösse zu vermitteln wusste, zum ersten Male den Stich neben die Schöpfungen der Malerei stellte, empfing dieser die Weihe, herauszutreten aus der Sphäre des Reproduktiven zu einer selbständigen Kunstübung, deren kostbarste Blüte allerdings erst 150 Jahre nach dem Tode Mantegnas durch Rembrandt herbeigeführt werden sollte. Von Mantegna ist kein Stich mit Beziehung zum alten Testament zu meiner Kenntnis gelangt, hingegen habe ich eine Zeichnung »Die Beschneidung« gefunden, die in sich den ganzen Reichtum der genialen Erfindungsgabe und starken Gestaltungskraft des grossen Malers vereinigt. Ich habe an dieser Stelle für die italienische Epoche keine weiteren Werke anzuführen, bin aber zu glauben geneigt, dass es mir unter günstigeren zeitlichen Verhältnissen möglich sein wird, dieses Kapitel noch zu vervollständigen. — Für England möchte ich das Titelblatt