Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919-1919)
- Issue
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 153 (sequence 156)
- Language
- German
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152 land Anwendung. Immerhin stehen die beiden Bibelwerke, die unter denjenigen Deutschlands hier noch zu besprechen sind, bereits unter niederländischem Einfluss: die Kölner und die Lübecker Bibelillustrationen. Die um 1480 in Köln in holländischer und niederdeutscher Sprache gedruckte Bibelübersetzung, ausgestattet mit 125 holzgeschnittenen Illustrationen, kann als Vorbild vieler und recht bedeutender, religiöser Bilder besonderes Interesse beanspruchen. Wenn sie der Meister der venezianischen Malermibibel und selbst Dürer und Holbein ihren Kompositionen zugrunde gelegt haben, so steht doch fest, dass der künstlerische Wert dieser Holzschnitte keineswegs hervorragend ist; dagegen enthält dieses Werk zum erstenmal eine lückenlose Folge von biblischen Darstellungen. Die Auffassung weist nach den Niederlanden mit aller Bestimmtheit hin, die derbe und nicht eben freie Technik auf die Hand eines geübten Arbeiters, der besonders auf dem Gebiet der Schattierung sicherlich kein Meister war. Ganz anders die Bibel von Lübeck. Hier fühlen wir, dass es ein niederländischer Künstler jvon Rang gewesen sein muss, der Stefan Arndes’ von Hamburg prächtige Bibel vom Jahre 1494 illustrierte. Vor mir liegt die Darstellung der Segnung Davids durch Samuel. In Demut kniet der junge Hirte vor dem Propheten, dessen rechte Hand Davids Linke umfasst, während die Linke segnend über seinem Haupte ruht. Zwei bewaffnete Paladine stehen seitwärts der Hauptfiguren, während über der Szene in einem Kranz aus Eichenblättern Saul mit trauernder, beschwörender Geste erscheint. Die Anordnung der Figuren bildet eine harmonisch verklingende Linie; prächtig wachsen aus dem Bild die würdige Gestalt des Propheten mit langem, wallendem Barte und die Körper der derbschwerfälligen aber sehr kraftvollen, niederdeutschen Landsknechte heraus. Der Schnitt wirkt durch seine Einfachheit; die starke Betonung der Kontur gibt den Figuren ihre markante Strenge in Ausdruck und Haltung, die so charakteristisch für die niederländische Schule sind.