Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919-1919)
- Issue
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 151 (sequence 154)
- Language
- German
- Belongs to
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151 haben und die Seite umblättern, dann finden wir auf dem letzten Blatt des Buches einen schlummernden, einen entschlummerten David, über den die Ruhe und das Verzeihen des Todes gebreitet sind, an dessen Lager Absalon zerknirscht und mit abgewandtem Gesicht trauert und zu dessen Häupten das schweigende Volk die ersten Fäden seines irdischen Ruhmes spinnt. Zwei Diagonalen gleich durchfluten die entgegengesetzten Ströme den Raum — das langgestreckte Bett, starr und kalt, bewegungslos und unverrückbar und die Menschengruppen, zusammengeballt, geduckt, voll unterdrückter Geste — ruhelos und erregt in Gegenwart des grossen Schweigens: es sind zwei Wellen, die sich ewig schneiden im tiefsten Schmerz und in der reinsten Freude. — Im ganzen sind nur drei vollständige Exemplare von diesem »liberregum« erhalten; die Verfasser selbst kennt man mit Namen nicht, jedenfalls gehören diese Blockbücher zu denjenigen deutschen Ursprunges. In den neunziger Jahren des 15. Jahrhunderts macht sich unter Martin Schongauers Einfluss eine bedeutende Veränderung in der technischen Behandlung des Holzschnittes geltend, die von Strassburg ihren Ausgang nimmt. Wenn wir z. B. die Illustrationen zu Grüningers »Leben der Altväter« mit Darstellungen aus wenig früherer Zeit vergleichen, so wird der neue Stil evident. Waren bisher die Schattenpartien weich und verschwommen gegeben, so treten sie hier als energisch herausgearbeitete, durch ein Netz feiner Schraffierungslinien erzielte, kompakte Massen in die Erscheinung. Der hierdurch hervorgebrachte Kontrast zwischen Schatten und Licht wird gemildert, indem sich die dunklen Töne gegen die belichteten Flächen hin verjüngen und an Intensität abnehmen. Die plastischen Wirkungen erfahren durch dieses dem Kupferstich nahestehende Verfahren eine erhebliche Steigerung. Der »Strassburger Stil«, wie ich ihn hier nennen will, wurde für die Entwicklung des Holzschnittes von eminenter Bedeutung und fand auch im Aus-