Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919-1919)
- Issue
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 118 (sequence 120)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3135693-3135698--0950-3136675- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
118 schriftlich, dass wir sie erleben werden. Aber die Hauptsache vergessen wir völlig, dass dieses Leben nur ein vorübergehendes ist, und dass wir nach dem Tode werden Rechenschaft ablegen müssen über unser Wirken auf Erden. Dieses Leben wird häufig mit einem Traum verglichen. Aber dem Traum folgt das Erwachen, und für dieses Erwachen zu sorgen durch Erfüllung der göttlichen Gebote, durch fromme Werke, durch edle gute Taten, die uns einst vor den Thron Gottes begleiten sollen, daran denken wir nicht, oder doch nicht genug. Siehe dir deine Sucko an, nur einen vorübergehenden Aufenthalt stellt sie dar. So ist dein Dasein. Lebe nach Gottes Willen und tue den Menschen Gutes, so lange dir die Sonne des Lebens scheint, damit du einst geschmückt mit einem guten Namen hinübergehest in die },דירת קבי in das ewige Leben. III. Die Hütte darf nicht niedriger sein als sieben Tefach und nicht höher als zwanzig Ellen. Eine wichtige Lebensregel liegt in dieser Vorschrift. Der Jude soll nicht auf alle Genüsse der Welt verzichten, er soll seine Lebenshütte nicht zu niedrig, er soll sie menschenwürdig bauen. Aber auch nicht allzu hoch darfst du deine Hütte aufrichten wollen. Schaue nicht neidisch auf das Haus des Nachbars, das schöner als das deine ist. Blicke auf diejenigen, die vom Glücke minder begünstigt sind als du, und sei zufrieden mit deinem Lose. Nicht Glanz und Flitter, nicht Prunk und Pracht sichern dir dein Glück. Je bescheidener deine Ansprüche an das Leben sind, umso mehr Aussicht hast du, dass sie Erfüllung finden. Wie schön wäre es, wenn wir zu der einfachen Lebensart unserer Väter zurückkehren möchten. Sie machten keinen Aufwand und waren dennoch glücklich, glücklicher als ihre verwöhnten Kinder. Ein vornehmer Römer, so erzählen uns die Weisen im Talmud, kam einst zu Rabbi Elieser und erklärte ihm, er