Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919-1919)
- Issue
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 84)
- Language
- German
- Belongs to
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82 jeder Mensch erkennt sie an der Wirkung. So erkennen wir auch ganz zweifelsohne an der Wirkung, die wir erfahren, an der ״Stimme des Gewissens in mir“ das Dasein eines allmächtigen Gottes, der mit dem Menschen in unsichtbarer Verbindung steht. Die Toren in der Welt aber glauben, dass etwas, das nicht gesehen werden kann, auch nicht existiere, und gegen den Wahn der Toren kämpfen bekanntlich selbst Götter vergebens. Wir wollen nun aber einmal auf die Toren Rücksicht nehmen, wollen die Stimme des Ge- Wissens ganz ausser Spiel lassen und uns nur mit dem ersten Teil des Kant’schen Satzes, mit dem ״gestirnten Himmel über mir“ beschäftigen. Da haben wir es nämlieh mit Dingen zu tun, die niemand, auch der grösste Tor nicht, bestreiten kann. Wenn wir den Blick zum Himmel richten, sieht unser Auge nur einen ganz kleinen Teil der Schöpfung. Doch ob wir nun in nordischer Winternacht die Lichter des Himmels funkeln sehen über dem Meer, oder ob selbst am Äquator wir schauen in die Sternenweit, immer redet das Firmament vom ewigen, allmächtigen Gott. Willst du die wilden Stimmen, die ihren bewegten Streit in der engen Menschenbrust fechten, verstummen lassen: wahrlich! so blick’ hinauf zum Sternenzelt. Lasse den Blick hinausdringen in die Abgründe der Unendlichkeit und begreife! Wenn die funkelnden Diamanten auf dem tiefdunkeln Sammet der Himmelsdecke dir erst gute Bekannte geworden sind, dann lächelst du nur über die blöden Albernheiten deiner lieben Mitmenschen, die einander den Raum strittig machen, auf dem sie stehen. Die Gegenstände aller Erfahrungen, die der Mensch täglich macht, sind in einem winzigen Raume zusammengedrängt, und viele Begriffe, die in diesem Raume gelten, verlieren ihre Bedeutung, wenn wir hinaustreten ins Weltenall. Das Herz geht uns dann auf im Fühlen der Weltengrösse.