Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919-1919)
- Issue
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 80 (sequence 82)
- Language
- German
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80 Wie das Völkische in den Sitten und Gebräuchen eines Volkes in seinen spezifischen Gesetzen gegründet ist, lehrt Rabbi Me:r in einer Polemik mit Rabbi Jehuda (36b קידושין). Dieser behauptet im Anschluss an die Schriftstelle: ״Kinder seid ihr Gott eurem Gotte,“ dass Gesetzesübertreter nicht mehr Kinder Gottes genannt zu werden verdienen. Nein, sagt der Proselyt Rabbi Meir: Auch Gesetzesverächter sind Kinder Gottes, sie sind aber nicht ״Volk Gottes“. Sie heissen לא עמי weil der Volksbegriff mit dem Volksgesetz, bei uns mit der Thora, unlösbar verknüpft ist. V. So sehen wir denn Geschichte, Stammesgeschichte und philosophische Reflexion für die Gemeinsamkeit der Sitten und Gebräuche als nationales Kriterium stimmen. Da aber Thora-Satzung und jüdische Sitten und Gebräuche begrifflich identisch sind, so sind die Sätze ״Wir sind eine Nation“ und ״Wir sind eine Konfession“ identisch. In dem Glauben, die beiden Begriffe, Nation und Konfession, von einander trennen zu müssen, ist vor zwanzig Jahren die Differenzierung in das Judentum hineingetragen worden. Nun soll die Integration, das Ziel aller Differenzierung, zustande kommen. Wohlan! Schaffet das Hemmnis aus dem Wege! — Korrigiert den zwanzigjährigen Irrtum! — Identifiziert Nation und Konfession! Eure angestrebte Sammlung kommt zustande. Es erblüht auf restauriertem Boden die jüdischnationale Integration! Bern. Ludwig Kraus s.