Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919-1919)
- Issue
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 49 (sequence 50)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3135693-3135698--0880-3136605- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
49 Adass Jisroel-Gemeinde, die sich herrlich entwickelt hat und die thoratreue Judenheit Berlins um ihre Fahne vereinigt. Dass das jüdische Leben in Berlin nicht erstorben und die Thora für Tausende und Abertausende die Riehtschnür des Lebens geblieben ist, ist im wesentlichen die Folge der Gründung dieser Gemeinde, die noch heute das Zentrum der frommen Kreise in der Hauptstadt Deutschlands bildet. Eine seiner ersten Taten war die Begründung einer Religionsschule, die sich allmählich zu einer Musterschule entwickelt hat. Zu den Schülern und später zu den Lehrern dieser Anstalt hat auch der Schreiber dieser Zeilen gehört. Diese Schule hat das Verdienst, jüdisches Wissen und jüdische Lebensanschauung in weite Kreise getragen zu haben. Im Jahre 1873 erlebte der Rabbi die Krönung seines Lebenswerkes, indem er, unterstützt durch jüdische Gelehrte von Weltruf, das Rabbiner-Seminar in Berlin begründete. Aus dieser Anstalt sind mehrere hundert Rabbiner hervorgegangen, die nicht nur in Deutschland und in andern Ländern Europas, sondern auch in Amerika und Australien an der Spitze von jüdischen Gemeinden stehen und mit wenigen Ausnahmen im Sinne und Geiste ihres grossen Meisters die Thora lehren, die Gemeinden leiten und die Jugend erziehen. Unser Rabbi war von der Vorsehung dazu bestimmt, das schwer bedrohte Judentum in Deutschland zu stärken und erhalten zu helfen. Wie wenige hat er in seiner ganzen tiefen Bedeutung den Ausspruch unserer Weisen erfasst: והעמידו תלמידים הרבה Stellet viele Schüler auf. Diese Schüler führte unser Rabbi mit kundiger Hand an die Quellen des Wissens und erfüllte sie mit Liebe und Begeisterung für unsere heilige Lehre. Aus den Händen ihres grossen Lehrers empfingen sie das Banner der Thora, um es ihren Gemeinden voranzutragen. Sie betrachteten es als ihre Lebensaufgabe, die Saat der Gottesfurcht und der unerschütterlichen Treue 4