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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1919-01-01 · 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919) · p. Seite 39

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919-1919)
Issue
4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 39 (sequence 40)
Language
German
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39 Nach Halberstadt zurückgekehrt, vervollständigte er sein weltliches Wissen, wobei er sich besonders in der Mathematik auszeichnete, und bestand nach verhältnismässig kurzer Vorbereitung am dortigen Domgymnasium mit grossem Erfolg die Maturitäts-Prüfung. Mit zwanzig Jahren bezog er die Universität Berlin, wo er Philosophie, Literatur, Orientalische Sprachen und Mathematik studierte. Einer seiner Lehrer war dort der Literarhistoriker Professor Dr. Werder, der bis in die siebziger Jahre hinein an der Universität Vorträge hielt, und ich erinnere mich noch, wie der Rabbi, trotz seiner karg bemessenen Zeit, es, wenn immer möglich, einzurichten suchte, einmal in der Woche die Vorlesung seines greisen Lehrers zu hören. Während seiner Studien hatte der Rabbi schwer mit des Lebens Not zu ringen. Sein Vater war früh gestorben, seine Mutter lebte in ärmlichen Verhältnissen. Es gab Zeiten, in denen der Rabbi kein Feuerungsmaterial besass; im harten Winter im ungeheizten Zimmer studierte er, bald lesend und schreibend, bald, um der Kälte zu begegnen, hin- und hergehend, aber mit ungebrochenem Mut, immer fleissig und strebsam. Da riss ihn ein glücklicher Umstand aus allen materiellen Sorgen. In Halberstadt lebte damals der jüdische Kommerzienrat Joseph Hirsch. Während der Besitz grosser Reichtümer allzu oft den Verlust der jüdischen Gesinnung mit sich bringt und zur Verleugnung der jüdischen Weltanschauung führt, war dieser edle, fromme und wohltätige Mann, auch als das Glück ihn emporgehoben, ein ausgezeichneter Jude geblieben. Mit Aufmerksamkeit hatte er den Werdegang des Rabbi verfolgt, in welchem er den künftigen Erhalter und Vorkämpfer des traditionellen Judentums erblickte; und er rechnete es sich zur Ehre, den aufstrebenden Jüngling, der schon in früher Jugend mit der Krone der Thora geschmückt war, für seine Familie zu gewinnen. Er selbst ging zur Mutter des Rabbi und fragte sie, ob sie mit der

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